Städtische Galerie KUBUS öffnet wieder mit Ausstellung

HANNOVER. Die städtische Galerie KUBUS, Theodor-Lessing-Platz 2, startet am 15. Mai (Freitag) wieder mit dem Ausstellungsbetrieb. Das Programm beginnt mit einer Gruppenausstellung zum Thema eines transkulturell aufgefassten Kulturbegriffs. Zu sehen ist vom 15. Mai bis zum 19. Juli 2020 „Das Eigene im Anderen – das Andere im Eigenen“ von Rolf Bier, Matthew Cowan, Christian Dootz und Inka Nowoitnick. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung geht von der These aus, dass Kulturen immer transkulturell konstituiert sind, dass jede Kultur das Ergebnis eines interkulturellen Austauschs darstellt und jeder nationalstaatlich argumentierende Kulturbegriff im Grunde ein Konstrukt darstellt. Die beteiligten Künstler*innen untersuchen, wie wir auf vermeintlich „andere“ Kulturen schauen und wie wir uns Dinge – bewusst oder unbewusst – aneignen: Wie viel Eigenes ist im vermeintlich Anderen zu finden und umgekehrt? Wie viel Anderes entdecke ich im Eigenen?

Inka Nowoitnick stellt die Frage: Wie weit ist der Weg vom christlich geprägten Tafelbild zum Ornament? Wo sind Übergänge? Der „Lonesome Cowboy“, der in den Sonnenuntergang reitet – Inbegriff des unabhängigen, weißen, amerikanischen, männlichen Entdeckergeistes – wird von Inka Nowoitnik in eine weibliche, europäische Variante umgedeutet und wie in einem christlichen Tafelbild inszeniert. In der Serie ihrer neuen Arbeiten wird ihre selbst geschöpfte Ikone nochmals gewendet, indem das Motiv mit einer immergleichen Wiederholung zum Ornament mutiert.

Für Rolf Bier können alles Material und alle Dinge zur Skulptur und alle Formen zur Malerei werden. So formen Holzreste, die eine dem Produktionsprozess geschuldete, ornamentale Wiederholung besitzen, den Grundriss eines in Nordafrika typischen „Riad“ nach, einer Haus- und Hofform, die im muslimisch geprägten Norden Afrikas zu finden ist. In unmittelbarer Nähe dazu erinnert eine blaugraue, rhythmisch ornamentale Wandmalerei an Wolken oder Wellen. In der Installation „o.T. (aus der Orient-Sammlung meiner Mutter)“ 2020, arrangiert Rolf Bier diverse Gegenstände, die aus Ländern entlang der Seidenstraße stammen, zu einem installativen Stillleben.

Christian Dootz hat sich die Stadt Kairo nachts im Schutz der Dunkelheit durch seine Kamera angeschaut und zeigt an detailreichen Beispielen, wie sich hier Architekturen und urbane Szenerien auf überraschende Weise als Konglomerate von westlichen und östlichen Auffassungen präsentieren. Moderne Hochhausfassaden, ornamentale Gestaltungen und eine allgegenwärtige Werbung erzählen von kultureller Identität und zugleich von einer immer größer werdenden Austauschbarkeit. Seine präzise formulierten, menschenleeren Details aus der nächtlichen Skyline Kairos erzeugen zugleich Momente sensibler Intimität, blicken in private Fenster, Hinterhöfe und auf die für Kairo so typischen Dachterrassen.

Matthew Cowan untersucht kulturelle Äußerungen wie Rituale und Traditionen überall auf der Welt mit den Strategien der künstlerischen Aneignung, Transformation und Fälschung und erfindet eigene performativ einsetzbare Objekte. Diese stellt er häufig historischen Objekten gegenüber, die er vor Ort findet. In diesem Fall hat das Historische Museum Hannover einige Leihgaben zur Verfügung gestellt. Ein wiederkehrendes Motiv im Werk von Matthew Cowan sind der „Wilde Mann“ oder die „Wilde Frau“, ob im Karneval oder auf anderen Umzügen und in Traditionen überall auf der Welt – aber auch als zeitgenössisches Kostüm wie im „Photographer (Wildmann)“ 2019. Für Hannover ist zu diesem Themenkomplex eine Arbeit mit freundlicher Unterstützung des Historischen Museum Hannover (HMH) im Beginenturm entstanden: „The Sound of the Cultural Office“, an der zwölf Mitarbeiter*innen aus dem Kulturbüro und eine Mitarbeiterin aus dem HMH mitgewirkt haben. Lassen Sie sich überraschen!

Im Rahmen der Ausstellung waren ein Vortrag und ein Künstler*innengespräch mit Prof. Monica Juneja geplant. „Nichts gehört nur einer einzigen Kultur an“, so lautet ein Zitat der in Hannover lebenden Wissenschaftlerin Monica Juneja. Ihr Lehrstuhl für Global Art History in Heidelberg analysiert die Auswirkungen des eurozentrischen Blicks und der nationalstaatlich orientierten Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts und arbeitet an einer von diesen Vereinfachungen befreiten neuen Kunstgeschichtsbetrachtung. Form und Zeitpunkt der öffentlichen Präsentation werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Mit dem Neustart am 15. Mai endet für den KUBUS nicht nur die Corona-bedingte Pause, sondern auch die Schließzeit aus Brandschutzgründen. Es wurde eine Bautreppe als temporärer Fluchtweg installiert.

Corona-Regelungen
Wegen der Corona-Epidemie sind zunächst nur fünf Besucher*innen gleichzeitig im Ausstellungsraum erlaubt. Außerdem werden Besucher*innen gebeten, die Hygieneregeln zu wahren: Einhalten des Abstandes von zwei Metern und Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.