Mit über 3.000 Bikern gegen Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen Entschließung des Bundesrates stößt auf wenig Verständnis bei den Motorradfahrern bundesweit

HILDESHEIM / HANNOVER. Mit über 3.000 Bikern demonstrierte heute die Interessengruppe „Demo gegen Fahrverbote Hildesheim!“ gegen eine Entschließung des Bundesrates zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm vom 15. Mai 2020.

Die Biker wollen mir ihrer Fahrt von Hildesheim nach Hannover und zurück ein deutliches Zeichen setzen. Sie möchten verhindern, dass in Zukunft ein von Ländern verhängtes Sonntagsfahrverbot erlassen werden kann oder neue Lärmpegel-Grenzen gelten. Die Einschränkung des Lärmpegels soll zwar vorerst nur für Neuzulassungen gelten, aber einige Motorräder könnten schon heute bei Auslieferung diese Grenzenwerte nicht halten.

Der Pressevertreter der Interessensgruppe, oliver Schur, brachte es in einem kurzen Interview auf den Punkt: „Hier werden alle Motorradfahrer in einen Topf geschmissen. Wir werden pauschal abgestraft, ohne zum Beispiel auch einmal einen Blick auf getunte Sportwagen zu werfen. Klar gibt es einige Motorradfahrer, die ihre Maschinen unerlaubt frisieren oder verbotene Teile einbauen, um mehr Sound rauszuholen. Aber bei 4,5 Millionen zugelassenen Motorrädern ist das nur ein geringer Teil. Die meisten Biker halten sich an die gesetzlichen Auflagen. Wenn es zu einem Fahrverbot oder großen Streckensperrungen kommen sollte, entzieht man pauschal allen Motorradfahrern das Recht, in ihrer Freizeit ihrem Hobby nachzugehen.“ Was passiert dann zum Beispiel mit der Gastronomie, die durchaus die Biker am Wochenende als Kunden schätzt?

Bei dem rund 10 Kilometer langen Konvoi setzte die Polizei auch zur Unterstützung Ordner auf Motorrädern bei kurzfristigen Sperrungen ein. Zweimal mussten die Biker ihre Fahrt unterbrechen, um die aufwendigen Absicherungen neu aufzubauen. Auf der Autobahn 7 standen vielen Zuschauer auf den Brücken und unterstützten die Biker mit Winken und Plakaten in ihrem Anliegen.

Den Abschluss bildete eine Kundgebung auf dem Schützenplatz in Hildesheim. Hier konnten die Teilnehmer die eindrucksvolle Menge an Kräder noch einmal bewundern. Die Organisatoren bedankten sich ausdrücklich bei allen Teilnehmern und Ordnern für die bei der Tour geleistete Disziplin, ohne nicht zu vergessen daran zu erinnern… man käme wieder, wenn sich an der Entschließung nichts maßgeblich ändere.

Torsten Glorius vom Online-Motorradmagazin OUT4ARIDE, übergab im Anschluss auf der Bühne noch einen offenen Brief, der an die Mitglieder des Bundestages adressiert ist und noch einmal um sorgfältige Überprüfung aller Fakten und Informationen bittet.

Was sagen nun Ministerien und der ADAC zu der Entschließung? Verkehrsminister Andreas Scheuer (CDU): „Ich will keine weiteren Verbote und Verschärfungen für Motorradfahrer“, sagte er der Passauer Neuen Presse. Auch der ADAC lehnt eine pauschale Forderung nach Verkehrsverboten an Sonn- und Feiertagen entschieden ab. ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand: „Nach unseren Kenntnissen ist die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer ordnungsgemäß unterwegs. Aufgrund einiger weniger ‚schwarzer Schafe‘ Kollektivstrafen zu verhängen, wie sie etwa eine Streckensperrung darstellt, ist nicht angemessen.“ Zudem führe die Sperrung einer beliebten Motorradstrecke zwangsläufig dazu, dass auf andere Strecken ausgewichen werde, so Hillebrand. Rund ein Fünftel der ADAC-Mitglieder sehen den Geräuschpegel von Motorrädern schon als Belastung an.

Zum Abschluß hatten die Biker noch für den Hildesheimer Verein „Regenbogen. e.V. “ ca. 5.227,78 Euro zur Unterstützung krebskranker Kinder gesammelt. Biker haben auch ein besonderes Herz für Kinder.

Inzwischen hat sich auch der verkehrspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alois Rainer, zu der Entschließung des Bundesrates geäußert: „Zu laute Motorräder sind ohne Zweifel ein ernstes Problem für zahlreiche lärmgeplagte Menschen. Dieses Problem muss man entschieden angehen. Viele erfolgreiche Initiativen vor Ort zeigen, wie das geht. Und da, wo der Bund weiterhelfen kann, wird er das tun. Das umfasst aber keine generellen Verbote. Ein Fahrverbot für Motorräder an Sonn- und Feiertagen, so wie es die Länder im Bundesrat gefordert haben, wird es mit uns definitiv nicht geben. Ein solches Fahrverbot wäre ein gravierender Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte der Menschen. Es ist für mich völlig unverständlich, wie der Bundesrat so etwas beschließen kann. Auch halte ich die Forderung der Länder nach einer Pflicht zum Führen eines Fahrtenbuches für völlig überzogen und lebensfern. Sämtliche Motorradfahrer würden dadurch unter Generalverdacht gestellt. Dabei verhält sich die Mehrzahl der Fahrerinnen und Fahrer rechtstreu und verantwortungsbewusst.“

  • Einige Biker trafen sich schon auf den Tankstellen am Messeschnellweg © Bernd Günther
  • Schon vor Beginn der gemeinsamen Fahrt werden die Spielregeln für die Demo erklärt © Bernd Günther
  • Treffpunk zum Start war das Gelände rund um die Halle 39 in Hildesheim © Bernd Günther
  • Die ankommenden Bikergruppen werden auf die umliegenden Parkplätze verteilt © Bernd Günther
  • Die Anzahl der Motorräder aus nah und fern ebbt nicht ab © Bernd Günther
  • Die Motorradstaffel der Polizei bereitet sich auf die Absperrmaßnahmen vor © Bernd Günther
  • Unterweisung der Ordner durch den Einsatzleiter der Polizei vor dem Start mit klaren Handlungsabsprachen © Bernd Günther
  • Bei der steigenden Anzahl der Teilnehmer muss in der Orga alles klappen © Bernd Günther
  • Die Ordner starten vorweg und nehmen dann die Unterstützung der Motorradstaffel der Polizei auf © Bernd Günther
  • Die Teilnehmer können es kaum erwarten, dass es los geht © Bernd Günther
  • Die Biker bekommen auf jeder Autobahnbrücke lautstark Unterstützung durch Zuschauer © Bernd Günther
  • Vorbei am Maschsee geht es in Hannover zum ersten Stop © Bernd Günther
  • Die Culemannstraße und das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer werden für 3.000 Biker zum einzigen Parkplatz © Bernd Günther
  • Verdiente Pause in der City von Hannover © Bernd Günther
  • Für Motorradfreunde gab es interessante Maschinen zu sehen © Bernd Günther
  • Kurz ein paar Schluck Wasser und dann geht es wieder in den Sattel © Bernd Günther
  • Demo gegen geplante Motorradfahrverbote mit 3.000 Bikern © Bernd Günther
  • Demo gegen geplante Motorradfahrverbote mit 3.000 Bikern © Bernd Günther
  • Die Ordner nehmen mit ihren Maschinen wieder die Absicherung der Strecke auf © Bernd Günther
  • Die Ordner nehmen mit ihren Maschinen wieder die Absicherung der Strecke auf © Bernd Günther
  • Kurzer Stop auf der Bundesstraße 3 zur Neuordnung der Absicherung der Teilnehmer © Bernd Günther
  • Endpunkt Schützenplatz Hildesheim © Bernd Günther
  • Endpunkt Schützenplatz Hildesheim © Bernd Günther
  • Über 30 Minuten fährt Bike für Bike auf den Schützenplatz © Bernd Günther
  • Über 30 Minuten fährt Bike für Bike auf den Schützenplatz © Bernd Günther
  • Schnell noch einen Schnappschuß mit dem Handy als Erinnerung © Bernd Günther
  • Die Organisatoren können sich nach erfolgreicher Arbeit entspannen © Bernd Günther
  • Ein Dankeschön an alle Biker und Ordner für die eingehaltene Disziplin und ihre Mitwirkung.
  • Entspannte Gesichter beim Orga-Team © Bernd Günther
  • "Ihr wart Spitze" trifft es auf den Punkt © Bernd Günther
  • Entspannte Atmosphäre vor der Bühne © Bernd Günther
  • Das Orga-Team von "Demo gegen Fahrverbote Hildesheim" © Bernd Günther
  • Torsten Glorius hat einen offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten verfasst © Bernd Günther
  • Demo gegen geplante Motorradfahrverbote mit 3.000 Bikern © Bernd Günther
  • Der Verein "Regenbogen. e.V." erhielt zum Abschluss noch von den Bikern eine Spende von 4.500 Euro zur Unterstützung krebskranker Kinder © Bernd Günther

Der offene Brief an die Mitglieder des Bundestages von Torsten Glorius