Es rumort im DRK-Pflegeheim Am Listholze Der Verkauf des Pflegeheimes bereitet DRK-Mitarbeitern und den Heimbewohnern Sorgen

HANNOVER. Vor kurzem hat das DRK-Region Hannover e.V. bekannt gegeben, dass ihr Pflegeheim Am Listholze an die Lindhorst Gruppe verkauft wurde. Spätestens zum 31.12. 2021 wird der DRK-Standort in der List geschlossen.

Die Pflegekräfte und Mitarbeiter*innen des Pflegeheimes wurden kurz über den Verkauf in einer Mitarbeiterversammlung informiert. Seitdem rätselt das DRK-Personal, wie es für sie weitergeht. Stimmt dort die Reihenfolge? Erst verkaufen und dann nach Lösungen für die Mitarbeiter suchen?  Die Vorsitzende des Betriebsrates im Pflegeheim, Kristina Papst, sieht das wie folgt. „Der Vorstand muss mit uns als Betriebsrat sprechen und hätte uns umfassend frühzeitig informieren müssen. Gerade bei der Auswirkung auf das gesamte Personal. Wir fordern einen Sozialplan. Das Betriebsverfassungsgesetz sieht hier eine eindeutige und frühzeitige Informationspflicht des Arbeitgebers zwingend vor. „Geschehen ist bislang nichts“, so Papst. „Jetzt haben wir eine Anwältin eingeschaltet, um die Interessen des Betriebsrates und der Mitarbeiter zu vertreten.“

Aber auch die betroffenen Heimbewohner zeigen sich über die mangelnde Informationspolitik und das Verhalten des DRK enttäuscht. „Man muss uns doch schließlich sagen, wie es mit uns weitergeht“, so Herr Ewert (91), der seit 4 Jahren zusammen mit seiner Partnerin im Pflegeheim wohnt. Die beiden sind schon 51 Jahre zusammen und wissen nun nicht, ob sie sich ein neues Heim leisten können. Ein Umzug wirft für die Bewohner viele Fragen auf. Wie sieht es mit den Kosten aus? Was passiert mit uns, wenn wir es uns nicht leisten können?

Auf Antworten zu den drängenden Fragen der Bewohner nach dem Verkauf wartet man zurzeit vergeblich © Bernd Günther

Auf der Bank vor dem Pflegeheim sitzen auch drei ältere Damen. Frau Gruzewski (86) versteht das DRK nicht mehr. Sie ist vor eineinhalb Jahren ins Pflegeheim gezogen. Damals wusste man schon von den Problemen und der langgeplanten Idee eines Umbaus. Gesagt hat man ihr aber nichts dazu. Ihre Nachbarin, seit einem Jahr in der Einrichtung, ist verärgert. Auch ihr hat keiner beim Einzug diese Informationen gegeben, dass sich voraussichtlich mit dem Heim etwas ändert. „Wir hätten uns dann vielleicht für ein anderes Heim entschieden“, gibt die Heimbewohnerin zu denken. Ihre drei Therapeuten können sie nur in ihrem Zuständigkeitsgebiet Am Listholze versorgen. Bei einem Umzug nach Ricklingen in das neu zu bauende Heim der Lindhorst Gruppe wäre diese Versorgung nach ihrer Meinung offen.

Genauso sieht es bei den Mitarbeitern aus. Gerüchte machen sich breit, dass der neue Arbeitgeber vielleicht schlechter zahlt. Angeblich verliert man seine jahrelange Betriebszugehörigkeit und die VBL. „Das Beste gegen Gerüchte und Mutmaßungen ist eine offene und ehrliche Informationspolitik“, so die Betriebsratsvorsitzende. Daran scheint es aber schon seit längerem im DRK zu mangeln.

Nun haben sich am Freitagmittag (03.07.) Heimbewohner und Pflegemitarbeiter in ihrer Pause vor dem Pflegeheim zu einem stillen Protest getroffen. Eine Heimbewohnerin: „Wir sitzen doch alle zusammen in einem Boot, gemeinsam mit den Mitarbeitern“. Viele der Heimbewohner sind sehr zufrieden mit dem DRK-Personal und wollen es behalten. Gemeinsam fordern sie, dass die Verantwortlichen auf sie zukommen und ihnen ihre Ängste für die unsichere Zukunft nehmen.

Zurzeit ist die Stimmung angespannt. „Früher haben wir so viel gelacht, haben gemeinsam Feste gefeiert und nun…“, sagt eine langjährige Bewohnerin, die nach ihren Aussagen schon schönere Zeiten gemeinsam mit den Mitarbeitern erlebt durfte. Es liegt eine Unruhe in der Luft, die weder den Bewohner*innen noch den Mitarbeitern wirklich guttut. Hinzu kommen auch noch die Einschränkungen der Corona-Krise, die Personal, Angehörige und Bewohner jeden Tag aufs Neue fordern.