270 Hilfeleistungen, 31 740 gefahrene Kilometer und drei besondere Einsätze Corona, Waldbrand, Bombenräumung - Die Stauhelfer der Johanniter aus Hannover und dem Heidekreis ziehen Bilanz und verabschieden sich in die Winterpause

HANNOVER (PM). Es war eine besondere Saison für die Stauhelfer der Johanniter im Regionalverband Niedersachsen Mitte. Bedingt durch die Corona-Pandemie konnten die ehrenamtlichen Helfer nicht wie sonst mit Beginn der Osterferien, sondern erst am Himmelfahrtswochenende am 21. Mai starten. „Nichts desto trotz hatten wir bis zum Saisonende sehr viel zu tun“, bilanziert Michael Scholz, Leiter der Motorradstaffel im Ortsverband Hannover-Wasserturm.

Gemeinsam mit den Kollegen der Motorradstaffel im Ortsverband Aller-Leine kommen die Stauhelfer in diesem Jahr auf 270 Hilfeleistungen (Erstversorgung, Lagemeldung nach Unfall, Absicherung einer Unfallstelle), 31 740 gefahrene Kilometer und rund 1089 Stunden ehrenamtlich geleistete Arbeit. 2019 waren es 800 Hilfeleistungen, 50 090 Kilometer und 1799 Stunden.

Zu drei besonderen Einsätzen kam es in dieser Zeit. In der Nacht vom 12. auf den 13. August unterstützten die Stauhelfer beider Staffeln mit fünf Motorrädern Feuerwehr und Polizei bei einem großflächigen Waldbrand an der A7 bei Schwarmstedt. Die Johanniter nutzten den Rasthof Allertal als Getränkelager und verteilten bis zum frühen Morgen rund 1500 Wasserflaschen an im Stau stehende Autofahrer. „Mit den wendigen Motorrädern kamen wir gut durch“, erinnert sich Thorsten Renken, Fachberater Motorradstaffeln im Landesverband Niedersachsen/Bremen. So konnten die Johanniter auch mehrfach Erstversorgung bei entkräfteten Autofahrern leisten und sie entgegen der Fahrtrichtung aus dem Stau herausleiten. Bei der jüngsten Bombenräumung in Hannover am 1./2. Oktober waren die Stauhelfer des OV Hannover-Wasserturm ebenfalls beteiligt, diesmal als Fahrer von Krankentransportwagen. „Wir kleben ja nicht auf unseren Sätteln“, sagt Michael Scholz. Die rettungsdienstlich ausgebildeten Helfer der Motoradstaffel unterstützten bei diesem Einsatz durch den Transport und die Betreuung von nicht gehfähigen Anwohnern, die aus dem Umfeld des Bombenfundortes evakuiert werden mussten. Einige der ehrenamtlich aktiven Stauhelfer waren außerdem im August im Corona-Testzentrum am Hannover Airport aktiv, wo sie Schichten übernahmen, bis das Testzentrum in den Regelbetrieb übergehen konnte.

Corona. Im Frühjahr war unklar, wie sich die Pandemie auf den innerdeutschen Reiseverkehr auswirken würde. „Zu Beginn war die Lage noch verhältnismäßig ruhig, das änderte sich aber mit dem Herbst“, sagt Michael Scholz. Dem Verkehrsaufkommen und den mitunter darin feststeckenden Menschen sei nach dem Lockdown im März/April die Lust auf eine Auszeit und ein paar Tage weg von zu Hause anzumerken gewesen. Ebenso wie die meisten Autofahrer hielten auch die Stauhelfer sich bei ihren Einsätzen an die geltenden Hygieneregeln und gingen in jedes Gespräch mit einem Mund-Nase-Schutz.

Positiv wirkte sich in dieser Saison die Entscheidung aus, den Stauhelfer-Dienst verlässlich an jedem Wochenende von Freitag bis Sonntag anzubieten. Michael Scholz: „Im Ortsverband Hannover-Wasserturm haben wir aktuell zehn aktive Helfer und drei Motorräder. Wir können das leisten.“ Aus dem OV Aller-Leine mit Sitz in Schwarmstedt haben zwei Stauhelfer insgesamt 18 dokumentierte Einsätze gefahren, dazu kommt der Waldbrand-Einsatz im August. Gemeinsam mit weiteren fünf Motorradstaffeln aus Hildesheim, Salzgitter, Northeim, Ahlhorn und dem Regionalverband Bremen-Verden komplettieren sie das Johanniter-Stauhelferteam im Landesverband Niedersachsen/Bremen. Alle Helfer versehen ihren Dienst ehrenamtlich, die Einsätze sind für die zu versorgenden Personen, die Kommunen und die Polizei kostenfrei. Die Ehrenamtlichen investieren viel Freizeit in ihre Einsätze, aber auch in die Wartung der Maschinen in den jetzt anstehenden Wintermonaten. Der Unterhalt der Motorräder, die Ausstattung der Fahrer und das technische und medizinische Material werden über Spenden finanziert. „Irgendwas ist immer“, sagt Michael Scholz. Was steht denn als nächstes an? „Die Helme laufen ab“, so Scholz. Sie sähen zwar noch gut aus, das Material werde aber zunehmend porös und brüchig.