sicher.mobil.leben. – Länderübergreifende Verkehrssicherheitsaktion in Niedersachsen Pistorius: „Heute geht es uns vor allem um die Sicherheit all derer, die regelmäßig auf zwei Rädern unterwegs sind"

HANNOVER (red/PM). Auch in der Innenstadt von Hannover kontrolliert die Polizei und Ordnungsdienste am heutigen Mittwoch zum überwiegenden Teil Fahrradfahrer*innen. Unter anderem wurde die Einhaltung des Fahrverbots mit Fahrrädern in einigen hannoverschen Fußgängerzonen kontrolliert. Wer auf dem Fahrrad erwischt wurde, den sprachen die Polizeibeamten freundlich aber bestimmt an und belehrten sie über ihr Fehlverhalten. Bei Uneinsichtigkeit gab es dann auch schon einmal einen Strafzettel. Die meisten sahen aber ein, dass sie durch ihr Verhalten nicht gerade zur Verkehrssicherheit beitrügen und schoben ihr Rad dann durch die Fußgängerzone.

Seit heute Morgen (05.05.2021, 06:00 Uhr) laufen in ganz Niedersachsen umfangreiche Maßnahmen zum Thema Verkehrssicherheit. Im Fokus stehen dabei insbesondere Radfahrende. Hintergrund ist die länderübergreifende Aktion sicher.mobil.leben. mit dem Thema „Radfahrende im Blick“. Niedersächsische Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte werden dabei bis in den späten Abend hinein auf den Straßen zwischen dem Harz, der holländischen Grenze und der Nordsee im Einsatz sein. Unterstützt werden sie an den vielen Kontroll- und Aktionsorten in Niedersachsen von der Landesverkehrswacht Niedersachsen und den Verkehrswachten vor Ort, dem ADFC Niedersachsen e.V. und dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt e.V.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: „Niedersachsen ist durch die vielen attraktiven touristischen Ziele und hervorragend ausgebauten Strecken ein echtes Mekka für Radler. Heute geht es uns vor allem um die Sicherheit all derer, die regelmäßig – auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule – auf zwei Rädern unterwegs sind. Nicht zuletzt der E-Bike-Boom hat dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen auf Rädern immer schneller unterwegs sind. Leider zeigt die Entwicklung der Verkehrsunfallstatistik, wie wichtig es ist, alle Verkehrsteilnehmerinnen und -nehmer weiter und immer wieder auf die Gefahren hinzuweisen, denen gerade Radfahrenden auf E-Bikes und Pedelecs durch ihre Geschwindigkeiten ausgesetzt sind. Das Ziel des heutigen Tages: Wir wollen das Radfahren im Fahrradland Niedersachsen noch weiter voranbringen und gleichzeitig den Radverkehr sicherer machen.“

Minister Pistorius hob dabei auch die Partner zur Verkehrssicherheit hervor, die durch regelmäßige Aufklärungsarbeit für gegenseitige Rücksichtnahme werben. Minister Pistorius weiter: „Gerade während der Corona-Pandemie haben viele Menschen das Radfahren für sich entdeckt. Immer häufiger bleibt das Auto in der Garage, weil es mit dem Fahrrad oder Pedelec genauso schnell, aber gleichzeitig viel entspannter und aktiver geht. Nur eines darf man dabei nie vergessen: Fahrradfahrende zählen weiterhin zu der Gruppe der schwächeren Verkehrsteilnehmenden. Sie umgibt kein schützender Rahmen. Darum führen viele Unfälle zu schweren Verletzungen.“

Ob auf innerstädtischen Straßen und Plätzen oder auf Niedersachsens Landesstraßen, die Niedersächsische Polizei ist heute überall im Land präsent, um zu kontrollieren und gemeinsam mit den Partnern in der Verkehrssicherheitsarbeit auf die Gefahren rund um den Fahrradverkehr hinzuweisen. Die Aktion wird durch die sozialen Medien flankiert.

Der Präsident der Landesverkehrswacht Niedersachsen, Heiner Bartling, sagt: „Die Vorteile des Radverkehrs sind offenkundig: Radfahren ist gesund, umweltfreundlich, kostengünstig und flexibel einsetzbar. Radfahren muss aber sicher sein. Deshalb unterstützen wir das Tragen von Fahrradhelmen als individuellen Sicherheitsgewinn. Helme schützen vor schlimmen Kopfverletzungen. Und wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmer: ‚Fokus auf den Verkehr‘. Eine kurze Unaufmerksamkeit kann unter Umständen nicht nur zu gefährlichen Verkehrssituationen oder riskanten Fahrmanövern, sondern auch zu gravierenden Unfällen führen. Die Benutzung des Handys ist sowohl am Steuer eines Autos als auch beim Radfahren nicht erlaubt. Wird dieses Verbot ignoriert, wird das Risiko schwerer Unfälle leichtfertig in Kauf genommen. Häufig getragen von dem Gedanken ‚Es wird schon gut gehen, bisher ist ja nichts passiert‘. Das ist ein gefährlicher und im schlimmsten Fall tödlicher Trugschluss.“

Dazu betont Birgit Blaich-Niehaus, Leiterin Verkehr, Technik und Umwelt im ADAC Niedersachsen-Sachsen-Anhalt: „Achtsames Miteinander im Verkehr und gegenseitige Rücksichtnahme sind der beste Weg zu mehr Sicherheit. Alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer können die Straßen mit rücksichtsvollem Verhalten sicherer machen, das gelingt allerdings nur gemeinsam. Oft hilft ein Perspektivwechsel: Denn nur wer sich in die Situation der anderen Verkehrsteilnehmenden hineinversetzt, wird seine Sichtweise ändern und mehr Verständnis entwickeln. Gleichzeitig muss jeder zu seiner eigenen Sicherheit beitragen. Gut sichtbare Kleidung, ein auffälliger Helm und eine intakte Beleuchtung helfen maßgeblich, besser wahrgenommen zu werden. Vorausschauendes Fahren ohne Ablenkung trägt zur eigenen Sicherheit bei, reduziert das Gefährdungsrisiko und vermeidet Ärger mit anderen Verkehrsteilnehmern.“

Als weiterer Partner in der Verkehrssicherheit setzt sich in Niedersachsen auch der ADFC für eine Erhöhung der Verkehrssicherheit ein. Laut ADFC-Fahrradklimatest 2020 fühlen sich rund 70 Prozent der Befragten beim Radfahren nicht sicher. Ein wichtiger Grund dafür sei, so laut Umfrage, die häufige Missachtung des vorgeschriebenen Überholabstands zu Radfahrenden.

„Gerade beim Überholen von Radfahrenden durch Autos gilt es, Radfahrende im Blick zu haben und sie nicht zu bedrängen und zu gefährden. Wenn 1,5 Meter innerorts oder 2 Meter außerorts nicht eingehalten werden können, müssen Autofahrende hinter den Radfahrenden warten“, so der Vorsitzende des ADFC Niedersachsen, Rüdiger Henze. „Dies gilt auch an Fahrradschutzstreifen und Radfahrstreifen.“

Insgesamt kontrollierte die Polizei in Niedersachsen am heutigen Tag bereits in den ersten Stunden rund 300 Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Dabei sind bisher rund 210 Regelverstöße verwarnt bzw. geahndet worden. Dazu gehörten auch drei Fahrrad- und ein Pedelecfahrender, die am frühen Morgen an einer Kreuzung in Hannovers Innenstadt (Hamburger Allee/Rundestr.) das dortige Rotlicht missachteten. Bei derartigen Verstößen beträgt das Bußgeld mindestens 60,- Euro.

Die Polizei und ihre Partner setzen sich weiter für mehr Sicherheit im Straßenverkehr ein. So werden die Kontrollen der Polizei und die gemeinsamen Präventionsaktionen mit den Partnern am heutigen Tag bis in die späten Abendstunden fortgesetzt.

Die Ergebnisse für Niedersachsen in Zahlen:

Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz 808
Kontrollorte landesweit 308
Kontrollierte Fahrzeuge 12.073
·          davon Fahrräder 4.956
·          davon Pedelecs 710
·          davon Elektrokleinstfahrzeuge 114
·          davon Pkw, Lkw etc. 6.293
Anzahl der festgestellten Verstöße 3.087
·          davon von Radfahrenden 2.416
o    davon Nichtbeachtung der Verkehrsflächenbenutzung (z.B. verbotswidriges Fahren in Fußgängerzonen, auf Gehwegen, entgegen der Fahrtrichtung etc.) 1.137
o    davon Mängel am technischen Zustand (z.B. Beleuchtung, Klingel etc.) 631
o    davon Ablenkung (z.B. verbotswidrige Handybenutzung, Kopfhörer etc.) Mängel am technischen Zustand (z.B. Beleuchtung, Klingel etc.) 285
o    davon weitere verkehrsrechtliche Verstöße: 363
·          davon von sonstige Kfz.-Fahrenden 671
o    davon Park- und Haltverstöße mit Blick auf Radverkehrsflächen 176
o    davon sonstige verkehrsrechtliche Verstöße (z.B. Überholseitenabstand, Geschwindigkeit, Abstand etc.) 495
Anzahl zu erwartender Fahrverbote 10