Feuerwehrfahrzeuge

Rund 1.700 niedersächsische Kräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Polizei und DLRG in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz Pistorius bedankt sich bei zurückkehrenden Einsatzkräften

HANNOVER (PM). Pistorius: „Dank an alle Einsatzkräfte, die mit ihrem Engagement zur Bewältigung dieser Katastrophe beitragen. Der Bund muss für ein einheitliches, zuverlässiges und flächendeckendes Warnsystem sorgen. Niedersachsen richtet deswegen eine ad-hoc-Arbeitsgruppe für mögliche Einsatzszenarien ein“

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, hat heute Nachmittag zurückkehrende Einsatzkräfte der Feuerwehren der Region Hannover im Feuerwehrzentrum Neustadt am Rübenberge begrüßt und sich stellvertretend für alle Helferinnen und Helfer bei ihnen bedankt. Die ersten niedersächsischen Kräfte sind heute nach 48 Stunden Dauereinsatz zurückgekehrt.

In den von der Hochwasserkatastrophe besonders heftig betroffenen Krisengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind aktuell (19.07.2021, 14:00 Uhr) insgesamt rund 1.700 niedersächsische Kräfte von Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Polizei und DLRG im Einsatz. Fünf Kräfte haben sich während des Einsatzes leicht verletzt, können aber weiterhin ihren Dienst versehen. Das Kompetenzzentrum Großschadenslagen (KomZ) im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, das im Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) in Celle den Einsatz der Kräfte koordiniert und organisiert, hat aktuell weitere Hilfsangebote an Rheinland-Pfalz unterbreitet.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: „In solchen Ausnahmesituationen zeigt sich, wie wichtig die enge föderale und im besten Sinne des Wortes kameradschaftliche Zusammenarbeit im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz ist. Ich möchte mich bei allen, die sich auf den Weg gemacht haben oder noch machen werden, für das Geleistete bedanken! Solch außergewöhnliche Schadensereignisse können nur mit einem hohen Kräfte- und Mittelansatz bewältigt werden.

Aus diesem Grund bin ich sehr froh, dass wir mit Einheiten unseres leistungsfähigen niedersächsischen Brand- und Katastrophenschutzes in den Schadensgebieten einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten können. Wir werden die Lage genau analysieren, einschließlich möglicher Mängel oder Fehlentwicklungen, um auch in Zukunft in Niedersachsen für die wachsenden Herausforderungen bestmöglich aufgestellt zu sein. Ich werde dazu auch eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe einrichten und alle betroffenen Ressorts sowie den Landesbeirat Katastrophenschutz kurzfristig einladen. Wir sind gut aufgestellt, aber der Klimawandel wird uns weiter herausfordern. Deshalb müssen uns die schlimmen Ereignisse – in diesem Ausmaß – auch eine Warnung sein, aus denen wir lernen müssen.“

Zur Debatte um unzureichende Warnungen durch den Bund sagt Pistorius: „Der Bund ist hier eindeutig in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass ein bundesweit funktionierendes, flächendeckendes Warnsystem wieder installiert wird. Wir müssen künftig aufgrund des Klimawandels vermehrt mit solchen extremen Wetter- und Katastrophenszenarien rechnen. Da wird der Bund seiner Verantwortung nicht gerecht, wenn er lediglich eine Einmalzahlung von 90 Millionen Euro leistet. Wir brauchen ein einheitliches Warnsystem, das störungsresistent ist und auch dann funktioniert, wenn das Stromnetz zusammenbricht. Wir brauchen neben den digitalen Systemen auch wieder mehr Alarmsirenen – meinetwegen auf jedem Schuldach. Und wir brauchen eine Kampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung, die oft schlicht nicht mehr weiß, wie man sich in Gefahrensituationen verhält. Ich denke da sofort an Japan, wo jedes Kind bereits in der Schule lernt, was es bei einem Erdbeben oder einer Flut zu tun hat.“

Überblick über die aus Niedersachsen eingesetzten Kräfte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz:

Drei Amtshilfeersuchen aus Nordrhein-Westfalen sowie zwei Amtshilfeersuchen aus Rheinland-Pfalz wurden durch das Kompetenzzentrum Großschadenslagen bestätigt.

In Nordrhein-Westfalen sind derzeit folgende Kräfte aus Niedersachsen eingesetzt:

  • Rhein-Erft-Kreis:
    • Landes-Wasserrettungszug West der Deutschen-Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), 59 Einsatzkräfte. Einsatzschwerpunkt war der Boots- und Tauchereinsatz zur Erkundung und Menschenrettung.

Dieser Einsatz wurde gestern beendet, die Einsatzkräfte befinden sich auf der Rückfahrt in die Heimatstandorte.

  • Eine Bereitschaftspolizeihundertschaft inklusive Polizeitauchern, 120 Einsatzkräfte. Einsatzschwerpunkt ist die Sicherung und Erkundung der Schadensgebiete.
  • Rhein-Sieg-Kreis:
    • Landes-Wasserrettungszug Nord der Deutschen-Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), 55 Einsatzkräfte. Einsatzschwerpunkt sind mittlerweile Pump- und Aufräumarbeiten.
  • Stadt Leverkusen:
    • Kreisfeuerwehrbereitschaft Landkreis Göttingen mit Hochleistungspumpen-System Braunschweig, ein Sanitätstrupp Johanniter Unfallhilfe Göttingen, 182 Kräfte.

Einsatzschwerpunkte: Pumpeneinsatz in Gebäuden (u. a. Keller, Tiefgaragen) und Gebäudekomplexen (ca. 300 Einsatzstellen) sowie Kontrolle von stromlosen Gebäuden.

Dieser Einsatz wurde gestern beendet, die Einsatzkräfte befinden sich auf der Heimfahrt in den Heimatstandort.

  • Stadt Euskirchen / Steinbachtalsperre:
    • Kreisfeuerwehrbereitschaft Region Hannover und Kreisfeuerwehrbereitschaft Landkreis Osnabrück mit Hochleistungspumpen-Systemen Hannover und Osnabrück, 389 Kräfte.

Einsatzschwerpunkte: Einsatz der Hochleistungspumpen (HFS) an der Steinbachtalsperre, Pumpeneinsatz im Stadtgebiet Euskirchen, Grundschutz für das Stadtgebiet Euskirchen.

Der Einsatz der KFB Landkreis Osnabrück wurde heute beendet, die Einsatzkräfte reisen heute noch ab.

Die KFB Region Hannover hat ihren Einsatz ebenfalls beendet und wird heute zurück erwartet.

  • Stadt Eschweiler:
    • Kreisfeuerwehrbereitschaft Landkreis Holzminden mit Hochleistungspumpen-System Emden, nebst Versorgungs- und Sanitätstrupps der Johanniter Unfallhilfe Holzminden und des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Weserbergland, 175 Kräfte. Einsatzschwerpunkt ist Unterstützung beim Pumpeinsatz (u. a. in einem Krankenhaus).

Der Einsatz wurde beendet, die Kräfte haben die Rückfahrt angetreten.

  • ein Verbindungsbeamter beim Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dieser Einsatz wurde am Nachmittag des 18.07.2021 beendet.

  • ein Reisebus der zentralen Landeseinheit Personentransportraum, besetzt durch den Malteser Hilfsdienst Braunschweig, zwei Einsatzkräfte.

 

In Rheinland-Pfalz sind derzeit folgende Kräfte aus Niedersachsen eingesetzt:

  • Führungsstab ADD Tier in der BABZ in Ahrweiler:
    • eine Führungsgruppe Medizinische-Task-Force (FüGr-MTF), besetzt von Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuzes aus Oldenburg, acht Einsatzkräfte. Dieser Auftrag endete gestern, die Einheit erhält vor Ort einen neuen Auftrag.
    • zwei Verbindungsbeamte des MI und des NLBK bei der Technischen Einsatzleitung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Ahrweiler.
  • Landkreis Ahrweiler:
    • eine Bereitschaftspolizeihundertschaft sowie fünf Diensthundeführer/-innen mit Leichenspürhunden, 90 Einsatzkräfte. Einsatzschwerpunkt ist das Absuchen des Ahrmündungsgebietes den Rhein flussaufwärts in Richtung Ahrweiler.
    • ein Behandlungsplatz-50-Land (BHP-50-Land) der zentralen Landesvorhaltung Nds. zur Versorgung von 50 Patienten, bestehend aus Einheiten der Johanniter Unfallhilfe Südniedersachsen, 118 Einsatzkräfte. Einsatzschwerpunkt ist der Betrieb einer medizinischen Versorgungsstelle für Verletzte in Bad Neuenahr.
    • vier Führungsgruppen Medizinische-Task-Force (FüGr-MTF), besetzt von Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuzes aus Göttingen, Lüneburg und Osnabrück sowie des Malteser Hilfsdienstes aus Braunschweig, 25 Einsatzkräfte. Einsatzschwerpunkt ist die Erkundung des Schadensgebietes sowie die Koordinierung von Rettungsdienstmaßnahmen.
    • Kontingentführung (zwei Einsatzkräfte) durch das NLBK.

Alarmiert zum Eintreffen im Einsatzgebiet im Laufe des Tages:

  • Führungsunterstützungs-Stab mit Kräften der Berufsfeuerwehren Hildesheim, Wilhelmshaven, Cuxhaven, Osnabrück, Salzgitter, Wolfsburg sowie der Autorisierten Stelle Digitalfunk und des NLBK (18 Einsatzkräfte).
  • ein Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel (sechs Einsatzkräfte).

Auf Anforderung des Landes Rheinland-Pfalz wurde für einen Einsatz vorbereitet:

  • ein Betreuungsplatz-500-Land (BTP-500-L) zur Unterbringung und Verpflegung von 500 Betroffenen oder Einsatzkräften, bestehend aus Einheiten des Deutschen Roten Kreuzes, Landesverband Niedersachsen e.V., insgesamt rd. 200 Einsatzkräfte.

Ein Abruf dieser Kräfte steht derzeit noch aus.