Peer Gruppe JUH

Wenn ein Wort zum anderen führt Geflüchtete werden zu Peer-Mediator*innen ausgebildet

HANNOVER (PM). Jeder kennt es: Eine Unstimmigkeit, ein Wort wechselt das andere und schon ist der Konflikt da. Wenn dann noch kulturelle Gepflogenheiten oder sprachliche Missverständnisse dazwischenkommen, kann es mitunter hitzig werden. Um Streitigkeiten gar nicht erst eskalieren zu lassen, beteiligen sich die Johanniter des Ortsverbandes Hannover-Leine jetzt an einem niedersächsischen Modellprojekt des Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover e.V. und der Berliner Non-Profit-Organisation R3SOLUTE: Geflüchtete Menschen aus Gemeinschaftsunterkünften werden zu Streitschlichterinnen und Streitschlichtern ausgebildet. Unterstützt wird das Modellprojekt vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie und der Stadt Hannover.

An diesem Mittwochnachmittag haben sich rund zehn interessierte Menschen in einem Gemeinschaftsraum einer Johanniter-Unterkunft im Stadtteil Hannover-Ledeburg zusammengefunden. Sie stammen aus allen Teilen der Welt: Syrien, Iran und Irak, Bulgarien, Kolumbien, Afghanistan; insgesamt sind neun Nationen vertreten in dem 21-stündigen Workshop. Marie Stopperka und Judith Huber, beide ausgebildete Mediatorinnen von R3SOLUTE, gehen mit den angehenden Peer-Mediator*innen das durch, was sie erwartet. Es stehen unter dem Begriff Konfliktmanagement vier Module auf dem Plan, in denen die Teilnehmenden lernen, Konflikte zu bewerten und einzuordnen, grundlegende Mediationstechniken wie aktives Zuhören, gewaltfreie Kommunikation oder Paraphrasieren anzuwenden, wie sie Konflikte aktiv lösen können und die Techniken für ihren kulturellen Hintergrund umdeuten. „Wir wollen Wissen vermitteln, das die Peer-Mediator*innen aber nicht dogmatisch anwenden müssen. Es gibt immer Interpretationsspielraum“, macht Marie Stopperka deutlich.

Ziel des Modellprojekts ist es, die Streitschlichterinnen und Streitschlichter so zu befähigen, dass sie Konflikte selbstständig lösen können und dafür als Vertraute und Ansprechpersonen wahrgenommen werden. „Wir als Betreiber bieten dieses Projekt im Rahmen unseres Gewaltschutzkonzeptes an“, sagt Durdane Erseker, Referentin Ehrenamt, Jugend, Integration im Johanniter-Regionalverband Niedersachsen Mitte. „Damit sollen die Bewohnerinnen und Bewohner in den Unterkünften gestärkt werden, friedvoll miteinander umgehen und schlichtweg die Konflikte untereinander reduziert werden.“ Wenn sich das Projekt bewährt, soll es in allen rund 50 Unterkünften für Geflüchtete in der Stadt Hannover umgesetzt werden.