Kurz vor Abschaltung des Kernkraftwerks Grohnde Drei von sechs Atomkraftwerken werden heute Nacht zum Jahreswechsel abgeschaltet

GROHNDE (red / PM). Drei von den sechs in Deutschland betriebenen Atomkraftwerken werden heute Nacht pünktlich zum Jahreswechsel abgeschaltet. Hierzu zählen die Atomkraftwerke Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf. Das niedersächsische Atomkraftwerk Grohnde an der Weser war fast 37 Jahre in Betrieb und hat mehr als 400 Milliarden Kilowattstunden in seiner Zeit erzeugt. Diese Leistung ist weltweit einzigartig. In der gleichen Zeit kam es zu einer Einsparung von mehr als 400 Millionen Tonnen CO

Das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) wird am 31. Dezember 2021 endgültig seinen Betrieb einstellen. Diese bevorstehende Abschaltung nahm der Niedersächsische Umwelt- und Energieminister, Olaf Lies, heute zum Anlass, das Kraftwerk zu besuchen. Er besichtigte die Anlage und wandte sich im Rahmen einer Online-Ansprache an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dazu sagt Olaf Lies, Niedersächsischer Umwelt- und Energieminister: „Wenn das Kraftwerk hier in Grohnde Ende des Monats seinen Leistungsbetrieb einstellt, geht in der Region eine Ära zu Ende. Ich habe größten Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Anlage, die teilweise bereits viele Jahrzehnte hier Dienst tun, täglich für den sicheren Betrieb der Anlage sorgen und größte Identifikation mit dem Standort haben. Mit einigen von ihnen hatte ich heute die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Dass diese letzten Tage ganz sicher nicht leicht sind, wurde mir heute in den Gesprächen noch einmal sehr deutlich. Der Atomausstieg war eine politische Entscheidung – und auch eine richtige. Ungeachtet dessen ist das eine großartige Leistung, die die Kolleginnen und Kollegen hier immer noch täglich erbringen.

Und auch ein weiterer Punkt ist wichtig: Mit dem Ende des Regelbetriebes beginnt nun die Phase des Rückbaus. Hier sind wir als Land Niedersachsen in der Pflicht, den flüssigen Ablauf aller Genehmigungsverfahren zu gewährleisten, rechtzeitig für die entsprechenden Lagerungs- und Deponierungskapazitäten zu sorgen und den Rückbau des Kraftwerks zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Das ist ein hoch komplexes Unterfangen. Diesen Weg werden wir nun weiter mit dem Unternehmen PreussenElektra gemeinsam gehen.“

Dr. Guido Knott, Vorsitzender der Geschäftsführung, betonte: „Die Wertschätzung, die der Minister der Kraftwerksmannschaft mit seinem Besuch entgegenbringt, freut uns sehr. Sie ist ein wichtiges Zeichen, denn die Kolleginnen und Kollegen im KWG haben mit viel Herzblut und persönlichem Einsatz teils über Jahrzehnte hinweg dafür gesorgt, dass hier Spitzenleistungen erbracht wurden, die weltweit einzigartig sind.“

Anlagenleiter Michael Bongartz ergänzt: „Am Silvesterabend werden wir in aller Ruhe das Kraftwerk herunterfahren und die Stromerzeugung beenden. Für uns Kraftwerker ist das ein trauriger Moment, denn die Anlage ist in einem sehr guten Zustand. Wir haben unseren Auftrag, für eine sichere und verlässliche Stromversorgung zu sorgen, mit großer Leidenschaft erfüllt. Diese Aufgabe müssen nun andere übernehmen. In den letzten fast 37 Jahren haben wir in Grohnde mehr Strom erzeugt als jedes andere Kraftwerk auf der Welt. Für diese Leistung genießt die KWG-Mannschaft weltweit hohes Ansehen.“

Das Kraftwerk an der Weser bricht alle Rekorde

Die Erfolgsgeschichte des KWG beginnt mit der ersten Netzsynchronisation am 5. September 1984: Seitdem war der Druckwasserreaktor insgesamt acht Mal Weltmeister in der Jahresstromerzeugung und stellte dabei zwei Mal einen Weltrekord auf. Das Kraftwerk wies eine durchschnittliche Verfügbarkeit von gut 91 Prozent auf – auch das ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Ein weiterer Rekord kam im Februar 2020 mit der Erzeugung der 400-milliardsten Kilowattstunde hinzu. Bis heute gibt es weltweit keinen einzigen Kraftwerksblock, der mehr Strom erzeugt hat.

Darüber hinaus wurden in den vergangenen gut 37 Jahren durch den Betrieb des Kernkraftwerks Grohnde über 400 Millionen Tonnen CO2 eingespart, die bei einer Verstromung durch Kohle- und Gaskraftwerke stattdessen entstanden wären.