Storchenrekord in Region Hannover: Mehr als 200 Weißstorchpaare
Vorläufige Bilanz 2026: 204 Brutpaare und voraussichtlich 357 flügge Jungstörche
REGION HANNOVER – Der Storchenrekord in Region Hannover ist perfekt: Nach der vorläufigen Saisonbilanz 2026 wurden 204 besetzte Weißstorchnester gezählt. Damit erreicht der Bestand einen neuen Höchststand. Voraussichtlich werden 357 Jungstörche flügge und setzen den positiven Bestandstrend fort.
Seit mehr als 90 Jahren wird der Weißstorchbestand in der Region Hannover erfasst. Die aktuelle Saison bestätigt den anhaltenden Aufwärtstrend der Population und zeigt zugleich die zunehmende Ausbreitung der Tiere in neue Lebensräume.
Bestand wächst erneut deutlich
Der Bestand stieg gegenüber dem Vorjahr von 187 auf 204 Brutpaare und damit um gut neun Prozent. Dr. Reinhard Löhmer, ehrenamtlicher Beauftragter für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover, registrierte 20 neue Nestgründungen. Die Weißstörche besiedeln inzwischen auch Gebiete, in denen sie historisch nicht vorkamen. Als Beispiel nennt der Experte das Stadtgebiet von Springe mit inzwischen sechs Nestern.
Seit Beginn der Erfassung im Jahr 1934 entwickelte sich der Bestand sehr unterschiedlich. Damals wurden 55 Brutpaare gezählt, den Tiefstand erreichte die Population 1988 mit lediglich neun Paaren.
Wunstorf bleibt Storchenhochburg
Die meisten Weißstörche leben weiterhin in Wunstorf. Dort wurden 60 besetzte Nester gezählt, sieben mehr als im Vorjahr. Es folgen Neustadt am Rübenberge mit 37 sowie Garbsen mit 17 Brutpaaren.
Nach Angaben von Dr. Reinhard Löhmer konzentriert sich der Bestand in Wunstorf vor allem auf die Aueniederung im Bereich Bokeloh, Mesmerode und Idensen. Trotz unveränderter Lebensräume nehme die Zahl der Brutpaare dort weiter zu.
Bruterfolg auf langjährigem Niveau
Von den 204 Brutpaaren waren 147 erfolgreich. Insgesamt 57 Paare blieben ohne Bruterfolg. Bis zum Ende der Saison werden voraussichtlich rund 357 Jungstörche flügge. Das entspricht durchschnittlich 1,75 Jungtieren je Brutpaar und liegt damit nahe am langjährigen Mittel von 1,8.
Die meisten erfolgreichen Paare zogen zwei oder drei Jungstörche auf. In zehn Nestern werden jeweils vier Jungvögel flügge. Den höchsten Bruterfolg verzeichnet ein Nest in Steinwedel mit fünf Jungstörchen.
Nach Einschätzung des Experten verhinderten die nasse und kühle Witterung während der Eisheiligen und der Schafskälte ein noch besseres Ergebnis. Gleichzeitig profitierten die Tiere von einem guten Nahrungsangebot mit zahlreichen Mäusen im Grünland.
Verändertes Zugverhalten fördert Bestandsentwicklung
Mehr als 70 Prozent der Brutvögel gehören inzwischen zu den sogenannten Westziehern. Viele überwintern im spanischen Raum oder bereits in Mitteleuropa. Dadurch verkürzen sich die Zugwege erheblich und die Tiere müssen häufig die Sahara nicht mehr überqueren.
Auch die im Großraum Madrid aufgetretene Vogelgrippe habe nach Einschätzung von Dr. Reinhard Löhmer keine gravierenden Auswirkungen auf den Brutbestand gehabt. Der starke Jahrgang 2024 habe mögliche Verluste ausgeglichen und den erneuten Bestandsanstieg unterstützt.
Erfassung wird zunehmend schwieriger
Die Bilanz ist noch vorläufig. Bis Anfang August werden mit wenigen Ausnahmen alle Jungstörche ihre Nester verlassen haben. Die Bestandserfassung wird jedoch schwieriger, weil die Tiere neue Gebiete erschließen und inzwischen mehr als ein Drittel ihrer Nester in oder auf Bäumen anlegen. Durch die Belaubung lässt sich der Bruterfolg dort häufig nur schwer erkennen. Hinweise aus der Bevölkerung auf bislang unbekannte Nester können die Erfassung unterstützen.
Für 2027 rechnet Dr. Reinhard Löhmer grundsätzlich mit einer weiteren Zunahme der Brutpaare. Voraussetzung sei, dass Seuchen oder Naturkatastrophen die Entwicklung nicht beeinträchtigen.










