TelePIN soll Versorgung schwerkranker Kinder verbessern
MHH-Kinderklinik baut telemedizinisches Netzwerk für Niedersachsen und Bremen aus.
HANNOVER (redu) – Mit Telemedizin Kinder in Niedersachsen besser versorgen: Die MHH-Kinderklinik baut dafür das Netzwerk TelePIN aus. Teilnehmende Kliniken können Daten, Bilder und Videos in Echtzeit austauschen und Fachleute bei Untersuchungen und Akutbehandlungen aus der Ferne hinzuschalten.
TelePIN soll insbesondere kleinere Kinderkliniken bei komplexen Fällen unterstützen und den Personalmangel teilweise abfedern. Die MHH-Kinderklinik übernimmt dabei die Funktion der zentralen Steuereinheit.
Sieben Kinderkliniken bereits angeschlossen
Mit Telemedizin Kinder auch über Klinikgrenzen hinweg gemeinsam behandeln zu können, ist das Ziel von TelePIN. Das System entstand aus dem Pädiatrischen Intensiv Netzwerk (PIN), das das Team der Kinderintensivstation 67 der Medizinischen Hochschule Hannover bereits vor 20 Jahren gründete.
Anfang 2025 startete TelePIN in die Pilotphase. Derzeit sind sieben Kinderkliniken in Niedersachsen integriert. Nach Angaben der MHH ist inzwischen auch die Finanzierung für weitere 15 Kinderkliniken in Niedersachsen und drei Kliniken in Bremen gesichert.
Hintergrund ist die angespannte Versorgungssituation. Von insgesamt 29 Kinderkliniken hätten aktuell nur vier eine spezielle Station für pädiatrische Intensivmedizin, erklärt Projektleiter Dr. Michael Sasse. In diesen Häusern könne wegen fehlender Pflegefachkräfte sowie Ärztinnen und Ärzte nur die Hälfte der Kinderintensivbetten betrieben werden.
Unterstützung bei Akutbehandlungen
Die technische Steuerung erfolgt über das TelePIN-Cockpit der MHH-Kinderklinik. Der speziell ausgestattete Raum verfügt unter anderem über sieben Bildschirme und einen mobilen Kameraroboter mit drei integrierten Kameras.
Bei einer Live-Schaltung können Fachleute der MHH beispielsweise Ultraschallaufnahmen, Herzbewegungen und Vitalwerte eines Neugeborenen in einer teilnehmenden Klinik verfolgen. Gleichzeitig erhalten sie einen Überblick über die Situation am Patientenbett. Nach Angaben der MHH konnten durch solche Live-Schaltungen bereits Kinderleben gerettet werden.
Langfristig sollen alle Kinderkliniken in Niedersachsen und Bremen sowie Einrichtungen in angrenzenden Regionen und Rettungsdienste an das System angeschlossen werden. Ziel ist eine flächendeckende Versorgung lebensbedrohlich erkrankter Kinder und eine Verringerung von Verlegungen.
TelePIN ist nach Angaben der MHH datenschutzkonform. Derzeit wird ein gemeinsames Patienten-Daten-Management-System integriert. Ein Informationswerkzeug zur Bettenbelegung kann bereits genutzt werden.
Das System lässt sich technisch auch auf weitere intensivmedizinische Bereiche übertragen. Nach den Plänen der Landesregierung wird das Projekt aus Mitteln des Strukturfonds II mit rund sechs Millionen Euro gefördert. Bund und Land tragen die Summe jeweils zur Hälfte.










