Katastrophenschutzübung Hannover: 500 Einsatzkräfte trainieren für den Ernstfall
Rund 110 Einsatzfahrzeuge und 500 Einsatzkräfte waren im Stadtgebiet unterwegs. Im Mittelpunkt standen die Versorgung der Bevölkerung, medizinische Transporte und die Notstromversorgung.
HANNOVER (redu) – Rund 500 Einsatzkräfte und 110 Einsatzfahrzeuge waren am Samstag, 7. November 2026, bei einer groß angelegten Katastrophenschutzübung Hannover im Einsatz. Gemeinsam trainierten Feuerwehr, Hilfsorganisationen und weitere Partner die Bewältigung eines länger andauernden Stromausfalls und seiner Folgen für die Bevölkerung.
Erstmals wurden sämtliche 43 Notfallinformationspunkte im Stadtgebiet gleichzeitig aufgebaut. Darüber hinaus standen die Versorgung besonders hilfsbedürftiger Menschen, medizinische Transporte und die Aufrechterhaltung wichtiger Infrastrukturen im Mittelpunkt.
Ein länger andauernder Stromausfall kann erhebliche Auswirkungen auf die medizinische Versorgung, die Kommunikation und den Betrieb wichtiger Einrichtungen haben. Wie die beteiligten Organisationen auf eine solche Lage reagieren, wurde bei der Katastrophenschutzübung Hannover an mehreren Standorten unter möglichst realistischen Bedingungen erprobt.
Neben der Feuerwehr Hannover beteiligten sich der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst. Auch das Technische Hilfswerk (THW) sowie weitere Partner, darunter DIAKOVERE und Enercity, wirkten an der Übung mit.
Alle 43 Notfallinformationspunkte gleichzeitig aufgebaut
Ein wesentlicher Bestandteil der Übung war der erstmalige gleichzeitige Aufbau aller 43 Notfallinformationspunkte (NIP) in Hannover. Diese Einrichtungen sollen der Bevölkerung bei länger andauernden Stromausfällen als wohnortnahe Anlaufstellen dienen.
Dort können Bürgerinnen und Bürger Informationen zur aktuellen Lage erhalten und Hilfeersuchen absetzen. Gerade bei einem großflächigen Stromausfall, der auch gewohnte Kommunikationsmöglichkeiten beeinträchtigen kann, kommt solchen Anlaufstellen eine wichtige Bedeutung zu.

Der Notfall-Informationspunkt vor der Feuer- und Rettungswache 1 in Hannover während der Übung. © Bernd Günther
Nach Angaben der Feuerwehr verlief der Aufbau aller Standorte erfolgreich. Auch die technische Ausstattung wurde unter realitätsnahen Bedingungen getestet und steht für einen möglichen Einsatz zur Verfügung.
Allerdings bedeutet der erfolgreiche Aufbau noch nicht, dass sämtliche Standorte bereits dauerhaft betrieben werden können. Dafür müssen insbesondere die personellen Voraussetzungen geschaffen werden.
Da Feuerwehrkräfte bei größeren Schadenslagen vorrangig für andere Aufgaben benötigt werden, sollen künftig schrittweise Mitarbeitende aus weiteren Bereichen der Stadtverwaltung den Betrieb unterstützen. Die Vorbereitungen einschließlich entsprechender Schulungen laufen bereits.
Ziel ist es, spätestens ab Mitte 2027 alle 43 Notfallinformationspunkte im Ereignisfall kurzfristig in Betrieb nehmen und anschließend dauerhaft besetzen zu können.
Evakuierung eines Pflegeheims simuliert
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Versorgung besonders hilfsbedürftiger Menschen. Dazu gehörte die simulierte Evakuierung eines Pflegeheims, das aufgrund eines länger andauernden Stromausfalls nicht mehr betrieben werden konnte.
Für dieses Szenario stellte das DIAKOVERE Friederikenstift freie Kapazitäten als Ersatzpflegeeinrichtung bereit. Die betroffenen Pflegebedürftigen wurden während der Übung durch Komparsen dargestellt und mit Krankentransportwagen in das Krankenhaus gebracht.

Patientenübergabe im Krankenhaus © Bernd Günther
Auch Menschen, die zu Hause auf strombetriebene medizinische Geräte angewiesen sind, wurden in die Übung einbezogen. Dazu zählen insbesondere Patientinnen und Patienten mit Heimbeatmungsgeräten.
Solche Geräte verfügen in der Regel über eine Akkupufferung. Bei einem länger andauernden Stromausfall ist deren Betriebsdauer jedoch begrenzt. Deshalb wurde auch die Verlegung entsprechend versorgungsbedürftiger Menschen von verschiedenen Privatadressen in das Friederikenstift trainiert.
Für die Koordination der Transporte richteten die beteiligten Hilfsorganisationen eine zentrale Führungsstelle ein. Dort wurden verfügbare Transportkapazitäten erfasst, Anforderungen koordiniert und die benötigten Einsatzmittel zugeteilt.
Technisches Hilfswerk sichert Stromversorgung in Ahlem
Am Schulzentrum Ahlem stand die Notstromversorgung eines Gebäudes im Mittelpunkt. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks stellten die Stromversorgung mithilfe externer Generatoren sicher.

Teile eines Technischen Zuges des THW im Bereitstellungsraum © Bernd Günther
Hintergrund dieses Übungsszenarios ist die Möglichkeit, ausgewählte Gebäude der kritischen Infrastruktur auch dann zumindest teilweise weiterzubetreiben, wenn sie über keine fest installierte Notstromversorgung verfügen.
Dafür kann im Krisenfall eine externe Stromeinspeisung erforderlich werden. Mit dem praktischen Aufbau und Betrieb wurde ein entsprechendes Verfahren erprobt.
Führungsstab koordiniert umfangreiche Maßnahmen
Die unterschiedlichen Einsatzszenarien mussten nicht nur vor Ort bewältigt, sondern auch übergeordnet koordiniert werden. Diese Aufgabe übernahmen der Führungsstab der Feuerwehr Hannover und eine Technische Einsatzleitung.
Die beteiligten Führungskräfte bewerteten fortlaufend die angenommene Lage, legten Prioritäten fest und entschieden über notwendige Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zur Aufrechterhaltung wichtiger Versorgungsstrukturen.
Auch Enercity war als örtlicher Netzbetreiber in die Übung eingebunden. Damit wurde die Zusammenarbeit zwischen Einsatzorganisationen und Energieversorgung in das Krisenszenario einbezogen.
Feuerwehrführung zieht positive erste Bilanz
Hannovers Erster Stadtrat und Feuerwehrdezernent Dr. Axel von der Ohe betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen. Ein leistungsfähiger Bevölkerungsschutz sei eine gesamtstädtische Aufgabe und wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge.

v.l.: Christoph Bahlmann (Feuerwehrchef Berufsfeuerwehr Hannover), Dieter Rohrberg (Landesbranddirektor) und Axel von der Ohe (Feuerwehrdezernent) © Bernd Günther
Er dankte zudem der Bevölkerung für das Verständnis und die Akzeptanz während der Übung. Diese Unterstützung ermögliche es, die Vorbereitungen auf außergewöhnliche Schadenslagen unter realistischen Bedingungen zu überprüfen.
Feuerwehrdirektor Christoph Bahlmann bezeichnete einen länger andauernden Stromausfall als zentrales Szenario des Krisenmanagements. Entscheidend seien belastbare Konzepte, erprobte Führungsstrukturen und gut ausgebildete Einsatzkräfte.
Besonders hob Bahlmann die Zusammenarbeit der haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hervor und dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz.
Detaillierte Auswertung folgt
Die Feuerwehr Hannover bewertet die Übung insgesamt als erfolgreich. Insbesondere der gleichzeitige Aufbau aller 43 Notfallinformationspunkte gilt als wichtiger Schritt bei der Vorbereitung auf größere Krisenlagen.
Eine detaillierte Auswertung der einzelnen Übungsszenarien soll in den kommenden Wochen erfolgen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, bestehende Abläufe weiterzuentwickeln und den Bevölkerungsschutz in Hannover zu stärken.



