Knollenblätterpilz fordert Todesopfer in Hannover
Die MHH warnt vor verzögerten Symptomen und rät zur Bestimmung durch Sachverständige.
HANNOVER (redu) – Die MHH behandelt in diesem Herbst vier Patienten nach einer Pilzvergiftung. Zwei überlebten dank eines Gegengifts, ein weiterer Patient erhielt erfolgreich eine neue Leber. Für den vierten Betroffenen kam jede Hilfe zu spät.
Der Knollenblätterpilz verursacht den Angaben zufolge die meisten dieser lebensgefährlichen Vergiftungen. Weil Beschwerden erst Stunden nach dem Verzehr einsetzen können, ist bei einem Verdacht schnelle medizinische Hilfe entscheidend.
Gift kann die Leber zerstören
Auslöser der Pilzvergiftung ist häufig der Knollenblätterpilz. Nach Angaben der Medizinischen Hochschule Hannover zählt er zu den giftigsten Pilzen in Deutschland und ist für 90 Prozent aller tödlichen Vergiftungen durch Pilze verantwortlich.
Sein Gift wirkt tückisch: Erste Beschwerden treten oft erst mehrere Stunden nach dem Essen auf, wenn es bereits vom Körper aufgenommen wurde. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können zunächst wie eine Magen-Darm-Infektion wirken. Nach ein bis zwei Tagen drohen Schäden an der Leber sowie Störungen der Blutgerinnung und der Nierenfunktion.
„Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, so dass nur noch eine Lebertransplantation das Leben der Patienten retten kann“, sagt Prof. Dr. Richard Taubert, Bereichsleiter Transplantationshepatologie an der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie.
Apps schützen nicht vor Verwechslungen
Viele Betroffene stammen laut MHH aus Russland, der Ukraine, dem Nahen Osten und Afghanistan. „In den Heimatländern der Betroffenen ist der Knollenblätterpilz weniger verbreitet. Hier in Deutschland wird aufgrund von Unkenntnis die Gefahr des Pilzesammelns oft nicht ausreichend ernst genommen“, erklärt Taubert.
Die MHH warnt davor, sich bei der Bestimmung allein auf Apps oder Bücher zu verlassen. Pilzsammlerinnen und Pilzsammler sollten ihre Funde vor dem Verzehr von einer oder einem Pilzsachverständigen prüfen lassen. Das Giftinformationszentrum Nord empfiehlt außerdem Schulungen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, um die Artenkenntnis zu verbessern.
Bei Verdacht sofort den Notarzt rufen
Bei einem Vergiftungsverdacht soll dringend der Notarzt gerufen werden. Pilzreste und Erbrochenes sollten für die Diagnose aufgehoben werden. Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung mit Knollenblätterpilzen, beginnt die Behandlung bereits mit dem Gegengift; der Nachweis des Giftes im Urin bestätigt oder widerlegt anschließend die Diagnose.
Das Giftinformationszentrum Nord ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer (0551) 19240 erreichbar.









