Fast 40 Jahre auf Christoph 4: Johanniter verabschieden Philip Rohmann
Seit 1988 gehörte Philip „Pille“ Rohmann zur Besatzung des Rettungshubschraubers in Hannover.
HANNOVER (redu) – Nach fast 40 Jahren auf dem Rettungshubschrauber Christoph 4 verabschiedet sich Notfallsanitäter Philip Rohmann Ende 2026 aus dem aktiven Dienst. Der bei Kollegen als „Pille“ bekannte Luftretter hat seit 1988 mehr als 19.000 Einsätze begleitet und die Entwicklung der Luftrettung über Jahrzehnte miterlebt.
Mit Philip Rohmann verlässt ein langjähriges Mitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe den aktiven Rettungsdienst. Seine berufliche Laufbahn reicht von den Anfängen der Luftrettung mit Papierkarten bis zum modernen Hubschrauberbetrieb mit hoch qualifizierten Besatzungen.
Als Philip Rohmann 1988 erstmals mit Christoph 4 von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) abhob, sah der Arbeitsalltag in der Luftrettung noch ganz anders aus als heute. Navigiert wurde mit einer Generalstabskarte auf dem Schoß, moderne elektronische Orientierungshilfen standen nicht zur Verfügung. Fast vier Jahrzehnte später endet für den erfahrenen Notfallsanitäter eine außergewöhnlich lange Zeit im Rettungshubschrauber.
Sein erster Flug führte ihn damals zu einem häuslichen Unfall nach Langenhagen-Wiesenau. Der Dienst begann morgens um 5.30 Uhr, wann Feierabend war, entschied der Pilot. Ging während eines Einsatzfluges die Orientierung verloren, half mitunter nur ein ungewöhnliches Verfahren: Der Hubschrauber schwebte vor einem Ortseingangsschild, damit die Besatzung ihren Standort bestimmen und die weitere Route auf der Karte suchen konnte.
Von der Johanniter-Jugend in den Rettungsdienst
Die Verbindung zu den Johannitern begann für Rohmann schon lange vor seinem ersten Hubschraubereinsatz. Bereits als Jugendlicher engagierte er sich in der Organisation. 1977 trat er im Alter von 16 Jahren in die Johanniter-Unfall-Hilfe ein, ein Jahr später verpflichtete er sich für zehn Jahre im Katastrophenschutz.
1980 schloss er seine Ausbildung zum Rettungssanitäter ab. Nach einer ersten hauptamtlichen Tätigkeit bei den Johannitern und einem zwischenzeitlichen Studium des Wasser- und Bodenmanagements kehrte er 1987 in den aktiven Rettungsdienst zurück. Ein Jahr später begann seine Tätigkeit in der Luftrettung.
Mit den technischen und medizinischen Veränderungen entwickelte sich auch seine berufliche Qualifikation weiter. Rohmann wurde Lehrrettungsassistent und absolvierte 2015 an der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen in Hannover die Qualifizierung zum Notfallsanitäter.
Mehr als 19.000 Einsätze und besondere Erfahrungen
In den Jahrzehnten seiner Tätigkeit erlebte Rohmann zahlreiche schwierige Rettungseinsätze. Dazu gehörten die Versorgung schwerstverletzter und eingeklemmter Menschen ebenso wie große Schadensereignisse. Zu den besonders einschneidenden Einsätzen zählt das Zugunglück von Eschede im Juni 1998.
Seine Arbeit beschränkte sich dabei nicht allein auf die medizinische Versorgung. Als HEMS-TC (Helicopter Emergency Medical Service – Technical Crew Member) übernahm er auch Aufgaben als technisches Besatzungsmitglied des Rettungshubschraubers.
Bei Kollegen und Vorgesetzten genoss der unter seinem Spitznamen „Pille“ bekannte Luftretter großes Vertrauen. Thorsten Ernst, Fachbereichsleiter Notfallversorgung der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen, beschreibt insbesondere seine fachliche Kompetenz und seine Bereitschaft, sich für Patienten einzusetzen.
„Was ihn besonders auszeichnet, ist nicht nur seine Qualifikation, sondern auch seine Haltung: verlässlich, hilfsbereit und im Zweifel auch streitbar, wenn es darum ging, für seine Patienten die bestmögliche Versorgung durchzusetzen“, schildert Ernst.
Auch sein langjähriger Crew-Kollege Marc Lüpkemann erinnert sich an die gemeinsame Arbeit: „Auf ihn war immer Verlass, wenn es ernst wurde für Kollegen, Partnerorganisationen und Freunde. Aus dieser besonderen, gemeinsamen Arbeit sind beruflich wie privat viele enge Verbindungen entstanden.“
Ein Arbeitsplatz, der auch Gemeinschaft bedeutete
Die Station an der MHH war für Rohmann und seine Kollegen weit mehr als der Ausgangspunkt ihrer Rettungsflüge. Hier arbeiteten die medizinischen Besatzungsmitglieder der Johanniter und der Hochschule mit den Piloten der Fliegerstaffel zusammen. Über die Jahre entstanden enge persönliche Verbindungen, die auch außerhalb des Dienstes Bestand hatten.
Zum Stationsalltag gehörten neben den ernsten Einsätzen auch gemeinsame Mahlzeiten, Grillabende und der Humor des langjährigen Kollegen. Besonders in Erinnerung bleiben dürften seine selbst gemachten „Hackemollies“, Buletten mit reichlich Knoblauch, die innerhalb der Besatzung längst einen besonderen Ruf genießen.
Mehr Zeit für Motorradtouren, Sport und Kochen
Mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst beginnt für den heute in Laatzen lebenden Rohmann ein neuer Lebensabschnitt. Langweilig dürfte es ihm dabei kaum werden. Zu seinen Interessen gehören das Kochen, Motorradtouren und Besuche bei den Hannover Indians und Hannover 96.
Auch ausgedehnte Einkaufsbummel bei Metro und in Baumärkten sowie der Humor des Kabarettisten Dietmar Wischmeyer gehören nach Angaben der Johanniter zu seinen Vorlieben.
Nach mehr als 19.000 Einsätzen endet damit eine berufliche Laufbahn, die eng mit der Geschichte der Luftrettung in Hannover verbunden ist.










