Polizei kontrolliert 1.378 Fahrzeuge bei Aktion gegen Ladungsdiebstahl
Bei Kontrollen auf Autobahnparkplätzen und Rastanlagen überprüften die Einsatzkräfte 1.725 Personen. In Niedersachsen wurden 19 Strafanzeigen gefertigt.
NIEDERSACHSEN (redu) – Bei einer länderübergreifenden Aktion gegen Ladungsdiebstahl haben Polizei, Bundespolizei und Zoll Anfang November insgesamt 1.378 Fahrzeuge und 1.725 Personen kontrolliert. Die vom Landeskriminalamt Niedersachsen koordinierte Kontrollaktion auf Autobahnparkplätzen und Rastanlagen führte zur Einleitung von 62 Strafverfahren.
Die gemeinsamen Kontrollen sollen dazu beitragen, Tätergruppierungen und mögliche Zusammenhänge zwischen Ladungsdiebstählen über Landesgrenzen hinweg zu erkennen. Allein in Niedersachsen entstand durch das sogenannte Planenschlitzen im Jahr 2025 ein registrierter Schaden von rund neun Millionen Euro.
An drei Nächten zwischen dem 2. und 5. November 2026 waren Einsatzkräfte aus Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen im Einsatz. Beteiligt waren außerdem die Bundespolizei sowie die Hauptzollämter Hamburg und Bremen. Die unter dem Namen „Joint Action Days Planenschlitzen 2026“ durchgeführten Kontrollen konzentrierten sich auf Rastanlagen und Parkplätze entlang der Autobahnen.
Im Mittelpunkt stand der Ladungsdiebstahl aus abgestellten Lastwagen. Bei dieser Vorgehensweise schneiden Täter die Fahrzeugplane zunächst auf, um die transportierte Ware zu überprüfen. Anschließend können sie gezielt wertvolle Güter entwenden. Besonders betroffen sind Lastwagen, die während der vorgeschriebenen Ruhezeiten über mehrere Stunden auf Autobahnparkplätzen stehen.
62 Strafverfahren bei gemeinsamer Kontrollaktion
Während der drei Kontrollnächte stellten die Einsatzkräfte unter anderem mehrere Container mit geöffneten Plomben fest. Zudem deckten sie Fälle von Fahren ohne Fahrerlaubnis und Kennzeichenmissbrauch sowie mindestens zwei Fälle von Trunkenheit im Verkehr auf.
Sichergestellt wurden außerdem ein Einhandmesser und zwei geladene CO₂-Softair-Waffen ohne das vorgeschriebene F-Kennzeichen. Dazu kamen mehrere Kartuschen und Munition. Insgesamt leiteten die beteiligten Behörden 62 Strafverfahren ein.
In Niedersachsen kontrollierten die Einsatzkräfte 210 Fahrzeuge und 319 Personen. Dabei fertigten sie 19 Strafanzeigen, unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit im Verkehr. Auf einem Parkplatz an der Autobahn 7 entdeckten die Beamten zudem eine aufgebrochene Plombe an einem Sattelauflieger.
Millionenschäden durch aufgeschlitzte Lkw-Planen
Welche wirtschaftlichen Folgen diese Form der Kriminalität hat, zeigen die Schadenszahlen aus Niedersachsen. Für 2025 registrierte die Polizei Schäden von rund neun Millionen Euro. Zwischen Januar und Oktober 2026 wurden bereits weitere Schäden in Höhe von rund fünf Millionen Euro bekannt. Das LKA geht davon aus, dass die tatsächliche Schadenssumme höher liegt.
Nicht jeder Angriff auf einen Lastwagen führt unmittelbar zum Diebstahl. Bereits beschädigte Fahrzeugplanen können Reparaturen und Ausfallzeiten verursachen. Zu den besonders begehrten Waren gehören Elektronikartikel, Markenbekleidung, Tabakwaren und Kosmetikprodukte.
Kriminalhauptkommissar Uwe Koopmann, Sachgebietsleiter Eigentum beim LKA Niedersachsen und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Cargo, betont die Bedeutung der gemeinsamen Ermittlungen:
„Die Täter machen nicht an Landesgrenzen halt. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Maßnahmen über Ländergrenzen hinweg abstimmen und gemeinsam gegen diese Form der Kriminalität vorgehen.“
Koopmann appelliert außerdem an Fahrer, auch versuchte Diebstähle anzuzeigen. Jede Meldung könne helfen, Verbindungen zwischen einzelnen Taten und Tätergruppierungen aufzudecken.
Polizei empfiehlt gesicherte Parkplätze
Neben den Kontrollen setzt das LKA Niedersachsen auf Prävention. Fahrer sollten ihre Ruhezeiten möglichst auf gesicherten, gut beleuchteten und belebten Parkplätzen verbringen. Informationen über Fahrtstrecken, Ziele und transportierte Waren sollten nicht an Fremde weitergegeben werden.
Nach längeren Pausen empfiehlt die Polizei, Fahrzeug, Plane und Ladung auf Beschädigungen oder Manipulationen zu überprüfen. Bei verdächtigen Personen oder Fahrzeugen soll umgehend die Polizei über den Notruf 110 verständigt werden.
Die Ergebnisse der Kontrollaktion werden nun von den zuständigen Polizeibehörden ausgewertet. Dabei prüfen die Ermittler mögliche Verbindungen zu bereits bekannten Straftaten und Tätergruppierungen.
Grundlage der Zusammenarbeit ist die Arbeitsgruppe Cargo, die aus einer 2018 gegründeten Projektgruppe hervorgegangen ist. Ihr gehören sechs Bundesländer sowie polnische Polizeibehörden an. Den Vorsitz übernahm das LKA Niedersachsen 2026 turnusgemäß vom LKA Hessen.



