Technikzentrum Celle: Spatenstich für Millionenprojekt des Brand- und Katastrophenschutzes
Land Niedersachsen und Landkreis Celle investieren gemeinsam rund 66 Millionen Euro in ein zukunftsweisendes Technikzentrum mit Feuerwehrtechnischer Zentrale und modernem Übungsturm.
CELLE (redu) – Mit dem ersten Spatenstich hat am Montag der Bau für das neue Technikzentrum Celle am Standort Celle-Scheuen begonnen. Das gemeinsame Projekt des Landes Niedersachsen und des Landkreises Celle bündelt künftig Ausbildung, Technik und Einsatzunterstützung für den Brand- und Katastrophenschutz an einem modernen Standort.
Mit dem Neubau entsteht eine der bedeutendsten Investitionen in die Infrastruktur des Brand- und Katastrophenschutzes in Niedersachsen. Die gemeinsame Nutzung durch Land und Landkreis soll Ausbildung, Wirtschaftlichkeit und technische Unterstützung langfristig verbessern.
Mit dem symbolischen Spatenstich ist am Montag, 29. Juni 2026, offiziell der Startschuss für eines der größten Bauprojekte im niedersächsischen Brand- und Katastrophenschutz gefallen. In Celle-Scheuen entsteht in den kommenden Jahren das neue Technikzentrum Celle, das gemeinsam vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Celle realisiert wird. Zur Auftaktveranstaltung kamen die Ltd. Baudirektorin Petra Könneker, Finanzminister Gerald Heere, Landrat Axel Flader sowie der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK), Dr. Christian Kielhorn und Landesbranddirektor Dieter Rohrberg. Mit dem Neubau sollen Ausbildung, technische Infrastruktur und logistische Unterstützung künftig an einem Standort gebündelt werden. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren und Katastrophenschutzeinheiten nachhaltig zu stärken und den traditionsreichen Ausbildungsstandort Celle-Scheuen fit für zukünftige Herausforderungen zu machen.
Das Gemeinschaftsprojekt gilt als bundesweit außergewöhnlich, weil erstmals die Aufgaben des Landes Niedersachsen und eines Landkreises in einer gemeinsamen Einrichtung zusammengeführt werden. Während das Niedersächsische Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz dort seine technischen Ausbildungs- und Werkstattbereiche betreiben wird, nutzt der Landkreis Celle die integrierte Feuerwehrtechnische Zentrale für die Betreuung und Wartung seiner Einsatztechnik. Beide Partner profitieren dadurch von einer gemeinsamen Infrastruktur, kurzen Wegen und einer wirtschaftlicheren Nutzung der Gebäude. Insgesamt investieren Land und Landkreis entsprechend ihrer jeweiligen Nutzungsanteile rund 66 Millionen Euro in das Vorhaben. Nach derzeitiger Planung soll die Fertigstellung im dritten Quartal 2029 erfolgen. Nach Angaben des Staatlichen Baumanagements entfallen rund 52 Millionen Euro auf den Neubau des Technikzentrums des NLBK.
Moderner Ausbildungsstandort in Celle-Scheuen
Mit dem Neubau entwickelt sich der Standort Celle-Scheuen zu einem der modernsten Ausbildungs- und Technikzentren für den Brand- und Katastrophenschutz in Niedersachsen. Die neue Anlage besteht aus drei eigenständigen Bauwerken: dem Technikzentrum, einer Fahrzeughalle für die Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises Celle sowie einem rund 25,5 Meter hohen Übungsturm. Durch diese Kombination entstehen erstmals ideale Voraussetzungen, um Ausbildung, Fahrzeugtechnik, Werkstattbetrieb und logistische Unterstützung an einem Ort miteinander zu verbinden. Gleichzeitig werden bisher räumlich getrennte Aufgaben zusammengeführt, was die Zusammenarbeit zwischen Land und Landkreis deutlich erleichtern soll.
Das Technikzentrum bildet dabei den funktionalen Mittelpunkt der gesamten Anlage. Hier entstehen moderne Lehrbereiche für die technische Ausbildung von Feuerwehr- und Katastrophenschutzeinsatzkräften sowie umfangreiche Werkstatt- und Lagerflächen. Vorgesehen sind unter anderem eine Kfz-Werkstatt mit sieben Prüfspuren, eine leistungsfähige Atemschutzwerkstatt, eine automatisierte Schlauchwerkstatt mit moderner Schlauchpflege sowie ein zentraler Pumpenprüfstand. Ergänzt werden diese Bereiche durch großzügige Lagerflächen und Logistikbereiche, die eine schnelle Bereitstellung und Wartung der Ausrüstung ermöglichen. Damit schafft das neue Zentrum optimale Bedingungen für Ausbildung, Instandhaltung und technische Unterstützung gleichermaßen.

So soll das neue Technikzentrum mit integrierter Feuerwehrtechnischer Zentrale ab 2029 aussehen. © Bernd Günther
Besonders auffällig wird künftig der neue Übungsturm sein. Mit einer Höhe von 25,5 Metern und acht Obergeschossen erweitert er die Ausbildungsmöglichkeiten erheblich. Dank seiner vierseitigen Nutzbarkeit können verschiedene Rettungs- und Einsatzszenarien gleichzeitig oder unabhängig voneinander trainiert werden. Feuerwehrangehörige erhalten dadurch realitätsnahe Übungsbedingungen für Einsätze in größeren Höhen oder an Gebäuden. Zusätzlich wird im Turm eine trockene Feuerlöschleitung installiert, die speziell für Ausbildungszwecke vorgesehen ist und praxisnahe Trainings unter sicheren Bedingungen ermöglicht.
Nachhaltigkeit prägt den Neubau
Bei der Planung spielte nicht nur die Funktionalität eine zentrale Rolle, sondern auch der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Finanzminister Gerald Heere hob hervor, dass das Land Niedersachsen mit dem Neubau seiner Vorbildfunktion im öffentlichen Hochbau gerecht werden wolle. Nachhaltigkeit bedeute dabei nicht nur eine umweltfreundliche Bauweise, sondern auch eine langfristig wirtschaftliche Infrastruktur, die über Jahrzehnte leistungsfähig bleibt und den steigenden Anforderungen des Bevölkerungsschutzes gerecht wird.

Finanzminister Gerald Heere begrüßt die Ausgaben für das neue Technikzentrum. © Bernd Günther
Dieses Ziel zeigt sich bereits bei der Auswahl der Baustoffe und der technischen Ausstattung. Der Kopfbau des Technikzentrums wird in Massivbauweise errichtet, während die Werkstattbereiche überwiegend aus Stahlbetonfertigteilen und Brettschichtholzbindern bestehen. Zusätzlich kommen CO₂-reduzierte Spannbeton-Hohldecken zum Einsatz, durch die der Betonverbrauch deutlich gesenkt werden kann. Der Übungsturm wird als Stahlfachwerkkonstruktion mit einer recyclingfähigen Fassadenkonstruktion gebaut. Auch die Energieversorgung folgt einem nachhaltigen Konzept. Die Wärme wird über ein Nahwärmenetz bereitgestellt, während auf den Dächern des Technikzentrums und der Fahrzeughalle Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 519 Kilowattpeak installiert werden. Für die Atemschutz- und Schlauchwerkstatt ist darüber hinaus eine spezielle Abwasserbehandlungsanlage vorgesehen, die den besonderen Anforderungen dieser Arbeitsbereiche Rechnung trägt.
Kritische Infrastruktur mit hohen Sicherheitsstandards
Mit seiner zukünftigen Funktion für den Bevölkerungsschutz übernimmt das neue Technikzentrum weit mehr als klassische Ausbildungsaufgaben. Die Anlage wird als Kritische Infrastruktur (KRITIS) eingestuft und erfüllt deshalb besonders hohe Anforderungen an Betriebssicherheit, Ausfallschutz und technische Redundanz. Dadurch soll gewährleistet werden, dass wichtige Einrichtungen auch in außergewöhnlichen Einsatzlagen oder bei großflächigen Störungen weiterhin zuverlässig arbeiten können.
Zu den vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen gehört unter anderem eine Notstromeinspeisung, die den Betrieb wesentlicher Bereiche auch bei einem länger andauernden Stromausfall sicherstellt. Zusätzlich wird auf dem Dach des Technikzentrums ein großflächiges Zivilschutzzeichen angebracht. Dieses macht die besondere Bedeutung des Gebäudes für den Bevölkerungsschutz sichtbar und kennzeichnet den Standort als wichtige Einrichtung des Brand- und Katastrophenschutzes in Niedersachsen.
Innenministerin Daniela Behrens bezeichnete das Bauvorhaben als ein einzigartiges Kooperationsprojekt von Land und Landkreis. Angesichts zunehmender Herausforderungen durch Extremwetterlagen, Großschadensereignisse und andere Krisensituationen sei eine moderne Infrastruktur unverzichtbar. Mit der Investition würden die Ausbildungsmöglichkeiten verbessert und gleichzeitig die technische Unterstützung der Feuerwehren dauerhaft gestärkt.
Gemeinsame Investition in die Zukunft
Auch Landrat Axel Flader sieht in dem Projekt einen bedeutenden Schritt für den Landkreis Celle. Bislang parallel vorgehaltene Strukturen würden künftig an einem gemeinsamen Standort zusammengeführt. Dadurch entstünden nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch eine engere Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Behörden und Organisationen. Zugleich handele es sich um das bislang größte Bauprojekt für den Zivilschutz im Landkreis Celle und um ein klares Signal für die weitere Stärkung der Feuerwehren.

NLBK-Präsident Dr. Christian Kielhorn begrüßt die anwesenden Gäste. © Bernd Günther
NLBK-Präsident Dr. Christian Kielhorn betonte zudem die Vorteile für die Beschäftigten und die Auszubildenden des Landesamtes. Moderne Werkstätten, zeitgemäße Ausbildungsräume und der neue Übungsturm eröffneten deutlich bessere Möglichkeiten für die praktische Ausbildung. Gleichzeitig ermögliche die Kooperation mit dem Landkreis Celle eine besonders effiziente Nutzung der öffentlichen Investitionen. Nach der geplanten Fertigstellung im dritten Quartal 2029 wird das Technikzentrum Celle nicht nur die Ausbildung der Einsatzkräfte verbessern, sondern auch als zentrale technische Drehscheibe für den Brand- und Katastrophenschutz in Niedersachsen eine wichtige Rolle übernehmen.







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