KVN kritisiert Pläne zu Telefon-AU und Krankschreibung ab dem ersten Tag
Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen warnt vor mehr Bürokratie, zusätzlichen Arztbesuchen und längeren Wartezeiten in den Praxen.
HANNOVER – Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) lehnt die geplante Abschaffung der Telefonischen Krankschreibung sowie die Einführung einer verpflichtenden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag entschieden ab. Die Organisation sieht darin zusätzlichen bürokratischen Aufwand und eine Belastung der ambulanten Versorgung.
Die KVN warnt davor, dass die geplanten Regelungen mehr Arztbesuche verursachen und die ohnehin angespannte Terminlage in den Praxen weiter verschärfen könnten.
KVN fordert Erhalt der Telefon-AU
Die Pläne gehen auf eine Einigung des Koalitionsausschusses von CDU und SPD zurück. Demnach sollen die telefonische Krankschreibung abgeschafft und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag eingeführt werden.
KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch kritisierte, dass die Politik einerseits Bürokratieabbau fordere, andererseits mit den geplanten Regelungen zusätzlichen Verwaltungsaufwand schaffe. Dies passe aus Sicht der KVN nicht zusammen.
KVN-Vize Thorsten Schmidt sprach sich für den Erhalt der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Sie habe sich als sinnvolle Ergänzung zur ambulanten Versorgung bewährt und ermögliche es, bekannte Patientinnen und Patienten bei nicht schwerwiegenden Erkrankungen ohne unnötige Praxisbesuche zu versorgen. Dadurch würden Praxisteams entlastet und Infektionsrisiken reduziert.
Nach Einschätzung der KVN würden die geplanten Änderungen dagegen zusätzliche Arztkontakte verursachen, die medizinisch nicht zwingend erforderlich seien.
Sorge um die Patientenversorgung
Barjenbruch bezeichnete auch die geplante Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag als nicht sinnvoll. Karenztage entlasteten nach Auffassung der KVN das Gesundheitssystem, weil dadurch unnötige Arztbesuche vermieden würden.
Die Vereinigung befürchtet zudem, dass zusätzliche Termine die bereits angespannte Terminlage weiter verschärfen. Mehr Verwaltungsaufwand gehe zulasten der Behandlungszeit und führe zu längeren Wartezeiten sowie kürzeren Sprechstunden. Vor dem Hintergrund geplanter Honorarkürzungen durch weitere Gesetzesvorhaben bezeichnete Barjenbruch zusätzliche Leistungsanforderungen an die Praxen als widersprüchlich.








