45 Heckrinder pflegen rund 100 Hektar Naturschutzgebiet
Das Gemeinschaftsprojekt setzt auf ganzjährige Beweidung. Künftig sollen auch Konik-Pferde helfen, die Flächen offenzuhalten.
REGION HANNOVER (redu) – Seit zehn Jahren halten Heckrinder im Toten Moor die Landschaft offen und drängen die invasive Späte Traubenkirsche zurück. Inzwischen beweiden rund 45 Tiere etwa 100 Hektar des Naturschutzgebiets. Das Gemeinschaftsprojekt soll fortgeführt und möglichst ausgeweitet werden.
Die ganzjährige Beweidung schafft strukturreiche Flächen, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren. Künftig sollen Konik-Pferde die Rinder ergänzen und insbesondere nachwachsende Birken verbeißen.
Die Heckrinder im Toten Moor begannen ihren Einsatz als Landschaftspfleger im Juni 2016: Drei Kühe und zwei Kälber zogen auf erste Flächen am Nordrand des Moores. Die Projektidee war im Jahr zuvor entstanden. Zunächst sollte im kleinen Maßstab erprobt werden, ob die Tiere Grünland offenhalten und die Späte Traubenkirsche zurückdrängen können.
Eine Kuh aus der Anfangsherde ist noch dabei: Die inzwischen 19-jährige Delia gibt mit ihrer ruhigen Art innerhalb der Herde Orientierung. Kurz nach dem Start war auch Bulle Ludger hinzugekommen. Heute umfasst die Herde rund 45 ausgewachsene Tiere und Kälber.
Beweidung drängt invasive Pflanzen zurück
Nach Angaben der Region Hannover ist die Späte Traubenkirsche auf den beweideten Projektflächen inzwischen so weit zurückgedrängt, dass sie dort kein relevantes Problem mehr darstellt. Die aus Nordamerika stammende invasive Pflanzenart kann dichte Bestände bilden und heimische Arten verdrängen. Ihre Bekämpfung von Hand ist auf großen Flächen arbeits- und kostenintensiv.
Die Rinder fressen die Gehölze und halten die Landschaft offen. Durch die Beweidung entstehen unterschiedliche Strukturen. Offene Bodenstellen und der Dung bieten Lebensräume und Nahrung für zahlreiche Arten.
Davon profitieren unter anderem lichtbedürftige Pflanzen, Feldgrillen, Heuschrecken und Mistkäfer. Auch Fledermäuse, Neuntöter und Wiedehopf kommen laut Region auf den beweideten Flächen vermehrt vor. Ein Biologe beobachtet regelmäßig die Pflanzenbestände und die Vegetationsentwicklung. Auf dieser Grundlage wird die Beweidungsstärke angepasst.
Konik-Pferde sollen die Rinder ergänzen
Die Beweidung soll fortgesetzt und nach Möglichkeit auf weitere geeignete Flächen ausgeweitet werden. Ergänzend sind zwei Konik-Stuten und ihre Fohlen aus einem Naturschutzprojekt in Nordrhein-Westfalen vorgesehen. Die robuste, halbwilde Pferderasse verbeißt nachwachsende Birken gezielter als die Heckrinder und kann damit zusätzlich zum Offenhalten beitragen.

Konik-Pferde © Matthias Falk
Auch die Rinderherde wird weiterentwickelt. Um Inzucht zu vermeiden, wird der Deckbulle regelmäßig ausgetauscht.
„Aus einem Versuch ist in zehn Jahren ein erfolgreiches Naturschutzprojekt geworden. Die Heckrinder übernehmen hier Landschaftspflege auf natürliche Weise und schaffen gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Arten. Das Beispiel zeigt, was möglich ist, wenn Naturschutz, Landwirtschaft und engagierte Partner langfristig zusammenarbeiten“, sagt Mark Herrmann, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover.
Gemeinschaftsprojekt mit landwirtschaftlicher Betreuung
Hinter dem Projekt stehen die Region Hannover, die Serengeti-Park Stiftung und der Schneerener Landwirt Stephan Ruhnow-Thieße. Die Region stellt die Flächen bereit und finanziert notwendige Infrastruktur wie Zäune und Geräte. Die Stiftung brachte die ersten Rinder ein und übernimmt die laufenden Betreuungskosten.
Ruhnow-Thieße betreut die Herde seit Beginn. Er versorgt die Tiere und kontrolliert und unterhält die kilometerlangen Zäune. Zur landwirtschaftlichen Nutzung gehört auch der Verkauf des Fleisches im eigenen Hofladen.
Weil die Beweidungsflächen teilweise Wald umfassen, ist außerdem die Waldbehörde eingebunden. Für diese Bereiche wurde eine naturschutzfachlich begründete Ausnahme zur Beweidung ermöglicht.
Heckrinder sind eine Abbildzüchtung des 1627 ausgestorbenen Auerochsen. Die robusten und genügsamen Tiere können ganzjährig im Freien gehalten werden. Neben Gras fressen sie Gehölze und übernehmen damit Pflegearbeiten, die sonst Maschinen oder aufwendige Handarbeit erfordern würden.




