Interschutz 2026 eröffnet: Hannover wird zum Zentrum des Bevölkerungsschutzes
Von moderner Einsatztechnik bis zum mobilen DRK-Feldkrankenhaus: Die Interschutz 2026 zeigt Lösungen für die Herausforderungen des Bevölkerungsschutzes.
HANNOVER (redu) – Mit einer feierlichen Zeremonie auf dem Messegelände ist die Interschutz 2026 am Montag offiziell eröffnet worden. Bis zum 6. Juni präsentieren mehr als 1.500 Aussteller aus über 50 Ländern neue Technologien, Konzepte und Lösungen für Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Sicherheit.
Die internationale Leitmesse steht in diesem Jahr ganz im Zeichen eines leistungsfähigen Bevölkerungsschutzes und der Frage, wie sich Gesellschaften auf Krisen, Naturkatastrophen und neue Sicherheitsrisiken vorbereiten können.
Mit der Interschutz 2026 richtet sich der Blick der internationalen Fachwelt erneut auf Hannover. Die weltweit bedeutendste Messe für Feuerwehr, Rettungswesen, Katastrophenschutz und Sicherheit bringt Fachkräfte, Unternehmen, Hilfsorganisationen, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger aus zahlreichen Ländern zusammen. Bereits zum Auftakt wurde deutlich, dass der Bevölkerungsschutz angesichts einer sich wandelnden Sicherheitslage stärker denn je in den Mittelpunkt rückt.

Eröffnungsrede von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt © Bernd Günther
Zur offiziellen Eröffnung begrüßten die Veranstalter unter anderem Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. Gemeinsam mit Vertretern von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Hilfsorganisationen und der Wirtschaft gaben sie den Startschuss für die sechstägige Veranstaltung.
Bevölkerungsschutz im Wandel
Unter dem Motto „Safeguarding Tomorrow“ beschäftigt sich die Interschutz 2026 mit den Herausforderungen moderner Gefahrenabwehr. Während klassische Themen wie Brandbekämpfung und Rettungsdienst weiterhin eine zentrale Rolle spielen, gewinnen neue Bedrohungsszenarien zunehmend an Bedeutung.
Dazu zählen Extremwetterereignisse, großflächige Hochwasserlagen, zivile Krisenvorsorge, hybride Bedrohungen sowie der Schutz kritischer Infrastrukturen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Krisen häufig gleichzeitig auftreten und verschiedene Bereiche der Gesellschaft betreffen können. Entsprechend wichtig sind abgestimmte Konzepte zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Hilfsorganisationen.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens betonte in ihrer Rede die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Bevölkerungsschutzes. Moderne Gefahrenlagen erforderten eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure sowie kontinuierliche Investitionen in Ausbildung, Technik und Vorsorge. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hob hervor, dass trotz technischer Innovationen die Menschen in Feuerwehren, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen das Rückgrat der Sicherheitsstrukturen bilden.
Technik für die Einsatzkräfte von morgen
Mit rund 1.500 Ausstellern aus mehr als 50 Nationen erreicht die diesjährige Messe nach Angaben der Veranstalter eine neue Größenordnung. Auf über 110.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden Fahrzeuge, digitale Systeme, Schutzausrüstungen und Spezialtechnik präsentiert.
Zu den Besuchermagneten zählen die Freigelände mit ihren Vorführungen. Dort demonstrieren Hersteller und Organisationen moderne Löschfahrzeuge, Spezialtechnik für Vegetations- und Waldbrände, Rettungsfahrzeuge sowie innovative Drohnen- und Robotiksysteme. Viele Entwicklungen sind darauf ausgerichtet, Einsatzkräfte bei gefährlichen Lagen zu entlasten und Entscheidungen schneller treffen zu können.

Regesr Besucherandrang am ersten Tag der Interschutz 2026 auf dem Freigelände. © Bernd Günther
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Im „Smart Public Safety Hub“ werden neue Konzepte für Leitstellen, Lagezentren und Einsatzführungen vorgestellt. Künstliche Intelligenz, automatisierte Analysen und vernetzte Informationssysteme sollen künftig helfen, komplexe Schadenslagen effizienter zu bewältigen. Die Digitalisierung wird damit zu einem wichtigen Baustein für den Bevölkerungsschutz der Zukunft.
DRK präsentiert mobiles Feldkrankenhaus
Zu den herausragenden Exponaten der Messe gehört das mobile Feldkrankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes in Halle 23. Das DRK gewährt dort einen umfassenden Einblick in eine medizinische Infrastruktur, die speziell für internationale Krisen- und Katastropheneinsätze entwickelt wurde.
Auf einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern wird gezeigt, wie innerhalb kurzer Zeit ein voll funktionsfähiges Krankenhaus aufgebaut werden kann. Das System gehört zu den sogenannten Emergency Response Units der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und kann flexibel an unterschiedliche Einsatzlagen angepasst werden.
Das Feldkrankenhaus verfügt über eine Notaufnahme, Operationsbereiche, Labor- und Röntgentechnik, Geburtsstationen sowie stationäre und ambulante Behandlungsmöglichkeiten. Nach Angaben des DRK können dort gleichzeitig bis zu 60 Patienten stationär versorgt werden. Darüber hinaus ist die Anlage darauf ausgelegt, die medizinische Grundversorgung von bis zu 250.000 Menschen sicherzustellen. Auch Wasseraufbereitung, Stromversorgung, Küchenbereiche und Hygieneeinrichtungen sind vollständig integriert.

Auf 3.000 Quadratmetern in der Halle 23 der Interschutz zeigt das DRK sein mobiles Krankenhaus für 60 Patienten und der medizinischen Grundversorgung für 250.000 Menschen. © Bernd Günther
Besonders bemerkenswert ist die Logistik hinter dem Konzept. Sämtliche Komponenten sind transportfähig verpackt und können per Flugzeug oder Lastwagen in nahezu jedes Krisengebiet der Welt gebracht werden. Nach einer Alarmierung soll ein Einsatz innerhalb von etwa 72 Stunden möglich sein. Für den Betrieb stehen speziell ausgebildete Ärzte, Pflegekräfte, Hebammen, Techniker und Logistikexperten bereit.
Das DRK verweist dabei auf zahlreiche internationale Einsätze der vergangenen Jahre. Mobile Krankenhausstrukturen kamen nach schweren Erdbeben, Naturkatastrophen und in humanitären Krisengebieten zum Einsatz. Die Präsentation auf der Interschutz zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung schnelle medizinische Hilfe in zerstörten oder schwer erreichbaren Regionen hat. Gleichzeitig verdeutlicht sie die wachsende Rolle humanitärer Soforthilfe in einer Welt, die zunehmend von Krisen und Naturereignissen geprägt wird.
Internationale Plattform für Zusammenarbeit
Neben den Ausstellungen bietet die Interschutz 2026 zahlreiche Fachforen, Workshops und Vorführungen. Erstmals werden neue Formate zur Höhenrettung sowie internationale Rescue-Challenges präsentiert. Organisationen aus Europa, Asien und Südamerika nutzen die Veranstaltung, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Lösungsansätze für zukünftige Herausforderungen zu entwickeln.
Gerade bei grenzüberschreitenden Katastrophenlagen gewinnt die internationale Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung. Die Messe bietet hierfür eine wichtige Plattform, auf der Einsatzkräfte, Behörden und Unternehmen miteinander ins Gespräch kommen können.
Zahlreiche Fachveranstaltungen beschäftigen sich zudem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gefahrenabwehr. Themen wie Waldbrandbekämpfung, Hochwasserschutz und die Sicherung kritischer Infrastruktur stehen dabei ebenso auf der Agenda wie moderne Konzepte für Krisenkommunikation und Bevölkerungsvorsorge.
Hannover im Mittelpunkt der Sicherheitsbranche
Für die Landeshauptstadt Hannover besitzt die Interschutz auch wirtschaftlich und gesellschaftlich eine besondere Bedeutung. Tausende Fachbesucher aus dem In- und Ausland sorgen in den kommenden Tagen für eine hohe internationale Aufmerksamkeit. Hotels, Gastronomie und Dienstleister profitieren ebenso von der Veranstaltung wie die Region insgesamt.

Der Katastrophenschutz in Niedersachsen ist mit geländegängigen Spezialfahrzeugen gut aufgestellt.
Oberbürgermeister Belit Onay würdigte die Messe als Ort des Austauschs und der Vernetzung. Gleichzeitig mache die Veranstaltung sichtbar, welchen Stellenwert ehrenamtliches Engagement in Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten für die Sicherheit der Gesellschaft habe.
Bis zum 6. Juni rechnen die Veranstalter mit mehreren zehntausend Besucherinnen und Besuchern. Hannover wird damit erneut zum internationalen Treffpunkt der Gefahrenabwehr und des Bevölkerungsschutzes. Die Interschutz 2026 zeigt nicht nur die neuesten technischen Entwicklungen, sondern macht auch deutlich, dass erfolgreiche Krisenbewältigung auf Zusammenarbeit, Innovation und dem Engagement unzähliger Einsatzkräfte beruht.
















