Tornadobilanz 2026: 34 Fälle in Deutschland bestätigt
DWD zieht vorläufige Bilanz: Mehr als die Hälfte der bestätigten Fälle entfiel auf den 19. August.
OFFENBACH (redu) – Die Tornadobilanz 2026 des Deutschen Wetterdienstes weist bislang 34 bestätigte Fälle in Deutschland aus. Allein 19 davon ereigneten sich am 19. August. Trotz dieses bislang größten dokumentierten Ausbruchs liegt die vorläufige Jahreszahl unter dem langjährigen Durchschnitt.
Die am 19. Oktober veröffentlichte Bilanz ist noch nicht abschließend. Zahlreiche Verdachtsfälle werden weiter untersucht; außerdem können auch nach dem Ende der Hauptsaison weitere Tornados auftreten.
Für die Tornadobilanz 2026 meldet der DWD einen ungewöhnlich späten Saisonbeginn. Erst am 3. Juni wurde der erste bestätigte Fall beobachtet: Vor Borkum waren gleich drei Wasserhosen zu sehen. Damit lag der erste bestätigte Tornadotermin so spät wie seit mindestens 2000 nicht mehr. Der bisher späteste Saisonauftakt in diesem Zeitraum war der Tornado von Großenhain am 24. Mai 2010.
Langanhaltende Hochdruck- und Dürrephasen prägten den Sommer in vielen Landesteilen. Gewitter und Tornados blieben zunächst weitgehend aus. Bis Mitte August waren lediglich 13 Fälle bestätigt.
19 Tornados am 19. August
Am 19. August änderte sich das Bild deutlich. Ein Tiefdruckgebiet zog vom frühen Abend bis in die Nacht von West nach Ost über die Mitte Deutschlands. Dabei entstanden teils schwere Gewitter, die wiederholt Tornados hervorbrachten.
Bislang wurden 16 Tornados im Zusammenhang mit diesem Gewittertief bestätigt. Hinzu kamen ein Tornado bei Fürstenwalde und zwei Wasserhosen bei Norderney. Mit insgesamt 19 Fällen war es nach Angaben des DWD der bislang größte Tornadoausbruch in Deutschland, der in der Europäischen Unwetterdatenbank ESWD dokumentiert ist. Beim bislang letzten vergleichbaren Ausbruch während des Orkantiefs Kyrill am 18. Januar 2007 wurden 14 Tornados erfasst.
Auch der bisher stärkste Tornado des Jahres trat am 19. August auf. In Ohrdruf in Thüringen erreichte er die Stufe IF2.5 auf der Internationalen Fujita-Skala. Das entspricht Windgeschwindigkeiten um 250 Kilometer pro Stunde. Zuletzt waren Tornados dieser Stärke am 20. Mai 2022 in Lippstadt und Paderborn registriert worden.
Weitere Verdachtsfälle noch offen
Die bislang bestätigten 34 Fälle liegen unter dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2025 von jährlich 49 Tornados. Wegen der starken jährlichen Schwankungen nennt der DWD einen Erwartungsbereich von 29 bis 69 Fällen. Die Hauptsaison reicht in Deutschland überwiegend von Ende Mai bis September.
Offene Verdachtsfälle sollen Anfang 2027 im Tornadoexperten-Verbund Deutschland, kurz TOREX, nachbesprochen werden. Der DWD rechnet mit weiteren Bestätigungen, erwartet für das Gesamtjahr aber weiterhin eine deutlich unterdurchschnittliche Zahl.
Für belastbare Statistiken nutzen Fachleute vor allem Daten seit etwa 2000. Digitalfotografie und Internet haben die Dokumentation und den Austausch von Beobachtungen seitdem erheblich verbessert. Gesammelt werden die Fälle in der ESWD, die das Europäische Unwetterlabor ESSL betreibt.
Ob ein Schaden durch einen Tornado oder eine Fallböe verursacht wurde, prüfen Fachleute anhand eingehender Meldungen, dokumentierter Schadensmuster und Wetterradarbilder. Der größte Teil der erfassten Tornados bleibt hinsichtlich seiner Stärke unbestimmt, etwa weil aussagekräftige Bilder fehlen oder Untersuchungen noch ausstehen.
Grundsätzlich können Tornados unterschiedlicher Stärke überall in Deutschland auftreten. Wasserhosen werden gehäuft an Nord- und Ostsee sowie am Bodensee dokumentiert. Die aktuelle Datengrundlage liefert dem DWD zufolge keine Hinweise auf eine klimawandelbedingte Zunahme der Anzahl oder Stärke von Tornados in Deutschland.










